Neben dem großen Thema Liebe sind es Fragen um Gesundheit und
Beruf, die viele Menschen dazu bewegen, astrologischen Rat zu suchen. Trotz aller hehren
Vorstellungen über die wahre Berufung und die Erfüllung, die diese in unser Leben
bringen soll, ist die Realität des Arbeitsalltags in Beruf, Haus und Familie für sehr
viele Menschen eine große Belastung und schmerzlich frustrierend, kurz: ein Problem, das
viel zu oft krank macht.
Astrologisch sind die Themen Beruf-Alltag-Gesundheit dem sechsten Haus
und dem Zeichen Jungfrau zugeordnet während die Berufung zum zehnten Haus gehört.
Das Zeichen an der Spitze des sechsten Hauses, der Herrscher des Hauses und seine Stellung
im Horoskop, die Planeten, die in ihm stehen und die Aspekte zu diesen Planeten lassen uns
erkennen, welche Einstellungen und Anlagen der Mensch zu den Themen Arbeit, Alltagsroutine
und Dienstleistungen mit sich bringt, wie er sein Denken für nutzbringende und praktische
Zwecke einsetzt, wie er mit (Wachstums-)Krisen in diesem Bereich umgehen kann und in
welcher Art er seinem Körper und seiner Gesundheit gegenüber Achtsamkeit walten läßt.
Das sechste Haus hat die Aufgabe, uns vom fünften Haus, in dem wir
lernen, die Welt nach unserem Willen zu gestalten, und in dem wir als Solokünstler auf
der eigenen Bühne agieren, zum siebten Haus dem Haus der Liebe, des harmonischen
Kontaktes zu anderen und zur Umwelt zu führen. Im sechsten Haus erfahren wir den
krisenhaften Prozeß der Anpaßung und der Erkenntnis, daß wir ein Teil in einem
größeren Ganzen sind, erhalten kritische Resonanz auf unser Tun und Lassen und werden
mit Widerständen konfrontiert. Dabei müssen wir erkennen, daß wir zwar der Nabel
unserer Welt sind, daß es aber viele Nabel vieler Welten gibt und wir uns irgendwie mit
ihnen arrangieren müssen. Beruf und Alltag sind dabei das Medium, diesen Wachstumsprozeß
zu durchlaufen. Hier sind wir gefordert, etwas zur Produktivität und zum Erhalt der
Gemeinschaft beizusteuern und die dabei auftretenden Konflikte und Krisen zu meistern. Man
verläßt seine Solobühne und muß sich hier in eine Gruppe oder Hierarchie integrieren,
muß sich ein- und unterordnen.
Das sechste Haus ist ein Erdhaus, ist den mühseligen irdischen
Wachstumsprozessen unterworfen, seine Resultate erfordern Geduld, Hingabe auch an Details,
Disziplin und Ausdauer eben Qualitäten der Jungfrau. Es geht vor allem um die
kleinen Schritte, die die Realisierung gros-ser Pläne erst möglich machen und um den Mut
und die Beharrlichkeit, alle vorgefundenen Regeln und Strukturen zu durchleuchten, bewußt
anzunehmen oder aber zu verändern, gegebenenfalls zu verwerfen.
Alle Krisen und auch Krankheiten, die wir hierbei durchleben, sind
immer ein Appell an uns, die jeweilige Situation zu ändern. Das kann bedeuten, für eine
gerechtere Bezahlung, gesündere Arbeitsbedingungen zu kämpfen, seine häuslichen
Tätigkeiten neu zu organisieren oder auch eine Tätigkeit zu suchen, die unseren
Fähigkeiten und Anlagen entspricht, statt uns täglich zu zermürben. Andererseits gilt
es aber auch immer wieder, uns selbst zu prüfen und kritisch zu hinterfragen, beständig
an unserer Verbesserung" zu arbeiten und uns zu wandeln. Die zentrale Frage des
sechsten Hauses ist: wie weit müssen wir bestimmte Eigenschaften zurückdrängen, um
Konflikte mit unserer Umgebung, mit unseren Chefs, Untergebenen, Mitarbeitern, Kunden, mit
unserer Familie und Stellung zu vermeiden, und wann beginnen wir, uns selbst zu
verstümmeln? Beschließen wir, unsere Spontanität und Kreativität in einem langweiligen
Bürojob zu unterdrücken, und bieten wir diesen Anlagen auch in unserer Freizeit keinen
angemessenen Raum, so werden sich diese Kräfte anderswo ihren Platz suchen und uns krank
machen, etwa in Form nervöser Symptome oder als Hautausschläge.
In unserem Alltagsverständnis gilt jemand als krank, wenn er nicht in
der Lage ist, seiner Arbeit nachzugehen und seine alltäglichen Verpflichtungen zu
erfüllen. Wir sollen gesund sein, um arbeiten zu können. Umgekehrt würde man aus
astrologischer Sicht sagen: unsere Arbeit soll uns gesund erhalten tut sie es
nicht, ist dort etwas nicht in Ordnung.
So ist es eine Arbeit" im Sinne des sechsten Hauses, gesund
zu sein und zu bleiben, sowie sich Bedingungen zu schaffen, die dies ermöglichen. Und das
Dienen, das traditionell diesem Haus zugeordnet wird, sollte nicht zuletzt bedeuten, daß
wir der Entfaltung unserer eigenen Seele dienen.
Christina Pfingsten und Christa Wagner, Tel. 04632-8587