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Chiron in den
Häusern
Von Christina Pfingsten und Christa Wagner
Im letzten Heft hatten wir Chiron,
seinen Mythos und seine allgemeine astrologische Bedeutung vorgestellt.
Heute wollen wir, auch aufgrund der großen Resonanz die das Thema
gefunden hat, die Stellung Chirons in den Häusern beleuchten. Das Haus in
dem Chiron in unserem individuellen Horoskop steht, symbolisiert unsere
Schwachstellen und Empfindlichkeiten, die schmerzhaften Erfahrungen, die
wir im Leben machen. So wie der mythologische Chiron paradoxer Weise nicht
trotz, sondern gerade wegen seiner eigenen, nie heilenden Wunde zum Heiler
wurde, können auch wir in eben diesem Bereich durch gelebte Erfahrung und
ein liebevolles Annehmen unserer Verletzungen zu einem Helfer und Heiler
für andere werden.
Die folgende Beschreibung des Chiron in
den astrologischen Häusern bezieht sich sowohl auf dessen Stellung im
Geburtshoroskop als auch auf Chiron-Transite, die unter Umständen
jahrelang anhalten können.
Mit Chiron im ersten Haus
fühlen wir uns leicht unerwünscht und verkannt. Die Erfahrung, nicht
zeigen zu dürfen / zu können, was man wirklich ist und will, kann wie
eine tiefe Wunde schmerzen. Wenn wir diesen psychischen Schmerz annehmen
können, ohne ihn „wegmachen" zu wollen, und uns darauf einlassen,
mit dieser Schwierigkeit zu leben, können wir auch anderen helfen sich zu
zeigen und auszudrücken.
Mit Chiron im zweiten Haus
können wir tief in uns die Überzeugung hegen, dass wir uns auf
nichts und niemanden verlassen können und daß es letztlich keine
Sicherheit gibt. Durch Besitz und Geld versucht man sich scheinbare
Sicherheit zu verschaffen und reagiert besonders empfindlich, wenn diese
(materiell, psychisch oder emotional) gefährdet ist. Wenn wir unser
Sicherheitsbedürfnis anerkennen und lernen es zu schützen, können wir
auch anderen besonders gut ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.
Chiron im dritten Haus
kann uns oft das Gefühl vermitteln von anderen nicht verstanden zu
werden, oder andere nicht zu verstehen. Negative Lernerfahrungen in der
Schule, Sprach- oder Kommunikationsschwierigkeiten, könnten die
Entwicklung eines stabilen Vertrauens in die eigene Intelligenz erheblich
beeinträchtigt haben. Umgekehrt können wir aus dieser Schwäche heraus
das Talent entwickeln, anderen Dinge zu erklären und ihnen das zu
vermitteln, was wir selbst vermissen, nämlich das Gefühl, sich auf den
eigenen Verstand verlassen zu können.
Für Chiron im vierten Haus
dürfte Geborgenheit ein eher heikles Thema sein. Vermutlich fühlen
wir uns sehr schnell verletzt und nicht akzeptiert. Vor allem im
familiären und privaten Umfeld, wo wir uns mehr von unserer
fürsorglichen Seite zeigen, ertragen wir es kaum, abgelehnt und nicht
gebraucht zu werden. Unsere Verletzlichkeit im Zusammenhang mit
Bemuttert-Werden und Gebraucht-Werden gilt es zu akzeptieren, genauso wie
der mythologische Chiron seine Verletzung annehmen mußte.
Mit Chiron im fünften Haus
dürften wir auf Bloßstellung außerordentlich empfindlich reagieren.
Es schmerzt uns sehr, wenn wir uns zeigen, spontan und kreativ sind und
jemand eine verletzende Bemerkung fallen läßt oder uns auf andere Art zu
verstehen gibt, daß unser spontanes und schöpferisches Tun nicht
erwünscht ist. Akzeptieren wir unser ausgeprägtes Schamgefühl, dann
wird es uns möglich, andere Menschen zu ermutigen ihre Kreativität zum
Ausdruck zu bringen.
Steht Chiron im sechsten Haus
wird die Bewältigung des Alltags schwierig. Es schmerzt uns
vielleicht, sehen zu müssen, daß wir den täglichen Anforderungen nie in
dem Ausmaße gerecht werden können, wie wir es eigentlich gerne würden.
Entsprechend empfindlich reagieren wir auf Kritik. Weil wir um die
Empfindlichkeit und den Schmerz wissen, den die Alltagsrealität auslösen
kann, sind wir besonders hellhörig und einfühlsam und können anderen zu
einem positiven Umgang mit dem eigenen Körper und der gesamten
materiellen Welt zu verhelfen.
Chiron im siebten Haus
läßt uns die Partnerschaft als äußerst schwieriges Terrain empfinden.
Aufgrund schmerzlicher Erfahrungen mit Zurückweisung oder Verlassenwerden
bevorzugen wir vielleicht (um uns vor Verletzungen zu schützen)
Abhängigkeitsbeziehungen, in denen der eine Partner die Rolle eines
Kranken oder Schülers einnimmt, der andere „spielt" Pfleger oder
Lehrer. Beziehungen auf gleicher Ebene sind aber nur möglich, wenn wir
unsere Verletzlichkeit akzeptieren und Zurückweisung und das Gefühl,
nicht geliebt zu werden, ertragen lernen. Ein demütiges Annehmen unserer
eigenen Wunde ermöglicht es uns, anderen in Beziehungsfragen mit viel
Einfühlungsvermögen weiterzuhelfen.
Mit Chiron im achten Haus
hat man vermutlich schon als Kind erlebt, daß Macht etwas ist, was
man mißbrauchen kann. Heute sind wir vermutlich sehr bestrebt, unser
Leben so zu kontrollieren, so daß wir möglichst keine Ohnmachtssituation
mehr erleben. Eine Art Schamgefühl hindert einen aber daran, die eigene
Macht zum Ausdruck zu bringen. In dieser Stellung fordert Chiron dazu auf,
Macht zu sich zu nehmen und Intensität, Leidenschaft, Eifersucht und
Machtkämpfe als Bestandteile des Lebens zu akzeptieren. Gelingt uns dies,
so dürften wir durch unsere charismatische Ausstrahlung und unser Wissen
um die dunklen Tiefen der menschlichen Seele vielen Menschen den Weg durch
Krisen erleichtern.
Chiron im neunten Haus
läßt uns am Sinn unseres Lebens und an der Richtigkeit unserer
Lebensphilosophie zweifeln. Vermutlich wurde man schon als Kind
angehalten, Dinge zu glauben, die einer genauen Betrachtung nicht
standhielten. Oder wir idealisierten Menschen, die uns schließlich auf´s
Tiefste enttäuschten und unseren Glauben an das Gute erschütterten.Hier
fordert uns Chiron dazu auf, Hell und Dunkel, Gut und Böse oder Gott und
Teufel als die zwei Pole ein und desselben Prinzips zu bejahen.
Insbesondere wenn wir in einer christlichen Tradition aufgewachsen sind,
ist eine solche ganzheitliche Sichtweise nicht einfach.
Chiron im zehnten Haus
Wenn es um Pflicht und Verantwortung geht, reagieren wir vermutlich
sehr empfindlich, trauen uns zu wenig zu oder bürden uns zuviel auf und
halten uns und andere durch all zu rigide Strukturen unter Kontrolle.
Denkbar sind auch Schwierigkeiten, sich konkrete Ziele zu setzen und diese
zu verwirklichen. Wenn wir die Tatsache annehmen, daß wir unserer
Verantwortlichkeit nie hundert Prozent nachkommen können und unsere
berufliche und gesellschaftliche Stellung nie absolut sicher ist, können
wir auch anderen Selbstvertrauen bezüglich beruflicher und
gesellschaftlicher Ziele vermitteln und sie dazu ermuntern,
verantwortungsbewußte Erwachsene zu werden
Mit Chiron im elften Haus
ist das Verhältnis von Freundschaften und persönlicher Freiheit ein
heikles Thema. Aus der Erfahrung, sich in Gruppen fremd und ausgeschlossen
zu fühlen, festigte sich die Einstellung, daß es im Zusammenleben
schwierig ist, eigene Ideen, Wünsche und Bedürfnisse zu realisieren.
Vielleicht wurden wir zu einem distanzierten Einzelgänger. In dieser
Stellung fordert Chiron uns auf, uns selbst und andere zu akzeptieren und
uns so weit einzubringen, wie wir können. Aus dem Wissen heraus, was es
heißt, sich fremd und ausgeschlossen zu fühlen, kann sich die Fähigkeit
zu echter Freundschaft und ein feines Gespür für die Dynamik von Gruppen
entwickeln.
Chiron im zwölften Haus
Wenn wir uns mit Gott und der Welt und uns selbst eins fühlen
möchten, erkennen wir schmerzhaft, daß uns dieses „Paradies auf
Erden" verwehrt bleibt. Es schmerzt tief in der Seele, sich als
getrenntes Wesen in der realen Welt der Formen behaupten zu müssen, auch
wenn wir das äußere Leben so reibungslos wie möglich zu meistern
versuchen. Je mehr wir uns bemühen, das Gefühl des Eins-Seins auf die
eine oder andere Art zu erreichen, desto schmerzhafter wird die Tatsache,
daß es kein Zurück ins Paradies gibt. Wenn wir diese Tatsache aber
annehmen, können wir Anderen ein großes Vertrauen in die eigene innere
Welt vermitteln.
Christina Pfingsten und Christa Wagner,
astrologieBüro Kalleby, Tel. 04632-8587, Fax
8586, eMail: Kalleby10@t-online.de |
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