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Der Elternschlüssel
Von Sigrid Westermann

Wer hat das nicht schon erlebt, daß man eine neue Beziehung beginnt und der Himmel hängt voller Geigen. Man selbst schwebt auf Wolke Sieben und es könnte immer so weitergeben.

Die Beziehung davor haben wir beendet, weil, ja es gab Probleme. Aber nun, in der neuen Beziehung ist alles toll und aufregend. Wenigstens in den ersten Tagen. Dann, ganz heimlich still und leise schleichen sich wieder Probleme ein. Nach ein paar weiteren Tagen oder Wochen erleben wir, daß der neue Partner /die neue Partnerin zwar anders aussieht, aber doch wieder ähnliche Schwierigkeiten mitbringt, wie wir sie in der letzten Beziehung erlebt haben.

War das Thema Untreue, so erleben wir oft recht bald in der neuen Beziehung die gleichen Schwierigkeiten. Auch wenn diesmal keine direkte Untreue vorliegt, so gibt es doch Kummer, wenn wir feststellen, daß sich unser neuer Freund eine andere Partnerin wünscht und mehr oder weniger heimlich danach Ausschau hält. Oder wenn sich die neue Freundin immer noch mit alten Lieben trifft, aber immer ohne den neuen Freund.

Das verleitet oft dazu, bestimmte Glaubenssätze zu formulieren, wie: „Alle Männer sind untreu" oder: „Alle Frauen sind untreu" um bei unserem Beispiel zu bleiben. Diese Glaubenssätze führen dann dazu, daß wir garantiert nur noch Partner/innen haben werden, die diesen Glaubenssätzen entsprechen, auch wenn wir uns ganz fest vornehmen, daß in der nächsten Beziehung alles anders, besser wird. Wir stellen uns selten die Frage, warum wir selbst nur auf diese Partner/innen fliegen, die uns die Probleme garantiert wieder bieten werden, die wir schon in anderen Beziehungen nicht mochten.

Die Ursache dafür nennen wir Prägung. In einer bestimmten Phase meines Daseins werden Muster für Beziehungen und Partnerschaft geprägt. Wenn diese Prägung nun mit Problemen einherging, die sich als schwierig für die Harmonie und das Glück erweisen, dann kann ich das nur dann ändern, wenn ich mir bewußt mache, wie meine Prägung von Beziehungsverhalten aussieht. Bislang war die Psychologie davon ausgegangen, daß diese Prägung in der Kindheit stattfindet.

Nun gibt es aber Beispiele dafür, daß es schon Prägungen in der Zeit vor der Geburt, während der neun Monate Schwangerschaft gegeben hat. Der Elternschlüssel berücksichtigt diese neuesten Forschungen. Diese Methode ist auf der Basis der Whole-Self-Psychologie entstanden. Sie werden sich fragen, wie Sie denn die Informationen über diese frühe Phase des Daseins erhalten sollen, an die Sie sich ganz sicher nicht mehr erinnern können.

Nach einer speziellen Meditation sind Menschen so entspannt, daß sie in der Lage sind, Bilder und Gefühle zu erhalten, die aus der Zeit vor ihrer Geburt stammen. Diese Technik ist für die Whole-Self-Methode vom Ehepaar Turner in Amsterdam und Amerika entwickelt worden und wird seit dreißig Jahren erfolgreich durchgeführt. Also, wenn ich glaube, daß ein Partner in einer Beziehung untreu sein muß, weil meine Mutter das schon so in der Zeit vor meiner Geburt erfahren hat, dann werde ich keine anderen Männer als untreue für mögliche Partnerschaften in Erwägung ziehen. Dann bin ich auf untreue Beziehungspartner geprägt.

Um dieses Beispiel fortzuführen: Auch, wenn ich eine Frau bin und mein Vater meiner Mutter untreu war, kann es sein, daß ich nicht die Rolle der Mutter übernehme, sondern mich für die Rolle des Vaters entscheide. Das hätte die Auswirkungen, daß ich meinem Partner untreu sein würde. Dies ist nur ein Beispiel. Wenn es in Beziehungen um Ablehnung geht, oder daß die Liebe ungleich verteilt ist (ein Teil liebt ganz doll, der andere kaum), all das ist oft in der Prägung begründet. Auch wenn es uns nicht bewußt wird. Wir wissen nur selten, daß wir Rollen von Vater oder Mutter übernehmen. Solche Entscheidungen werden unbewußt getroffen.

Der Elternschlüssel macht diese Prägungen bewußt und läßt uns erkennen, weshalb wir diese Erfahrungen machen wollten (auch wenn der Verstand das bezweifelt). Diese Methode macht nicht nur die bestehende Prägung bewußt, sondern zeigt auch Wege auf, wie wir die unangenehmen Auswirkungen unserer Prägung verändern können. Zum Erstaunen vieler Teilnehmer/innen solcher Seminare werden im Anschluß daran Partner/innen angezogen, die andere Verhaltensweisen zeigen, als frühere Beziehungspartner/innen.

Und weil wir dann eher unsere eigene Beteiligung an möglichen neuen Problemen erkennen können, fühlen wir uns nicht mehr so hilflos und ausgeliefert. Und mit den erlernten Hilfsmitteln sind andere Blockaden und Muster meines Lebens besser zu meistern.

Sigrid Westermann, Tel.: 040 - 410 56 84

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