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Im Kontakt mit dem Pferd
Von Dipl. Psych. Nele S. Köhler
Im Kontakt mit dem Pferd ist Psychotherapie auf und am Pferd, eingebettet in ein biodynamisch, körperorientiertes Setting mit tiefenpsychologischem Hintergrund.
Sowohl für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene, die nur schwer Zugang zu ihrem Körper als einem Ort der Gefühle und der eigenen Geschichte bekommen, kann das therapeutische Reiten ein guter und erfolgreicher Weg zur Selbsterfahrung und -regulation sein.
Auch Beziehungsdynamiken, sowie bestimmte Muster und Rollen innerhalb der Herkunftsfamilie oder dem heutigen Bezugssystem des Klienten, werden im Umgang oder beim Reiten mit dem Pferd deutlich. Das Pferd reagiert authentisch und nicht wertend auf den Menschen und kann ein Spiegel oder aber auch Projektions-, beziehungsweise Übertragungssubjekt sein.
So konnte eine Klientin durch das Pferd erleben, wie sie echten Kontakt vermeidet und konnte bald selbst eine Verbindung hinsichtlich des Kontaktes zu ihrem Partner ziehen. Das Pferd hatte bei ihr nicht auf ihre unsicheren und teilweise verniedlichenden Angebote reagiert, was sie in zunehmendem Maße verwirrte und später ärgerlich und nachdenklich machte.
Mit empathischer und prozessorientierter Unterstützung seitens der Therapeutin können so alte Erfahrungen reflektiert und neue ausprobiert, beziehungsweise integriert werden.
Da die Körpersprache und auch die energetische Ausstrahlung Kommunikationsmittel zwischen Pferd und Mensch ist, und der Mensch beim Reiten bewegt und getragen wird, kann diese Arbeit im gewährenden Setting tiefgreifende innere Prozesse auslösen. Viele Menschen fühlen sich durch den Halt geborgen und sprechen mehr »aus dem Bauch heraus«, erlauben sich dann oftmals neue Sehnsüchte oder Perspektiven, die sie in ihren Alltag umsetzen wollen. Das Pferd kann dabei unter Umständen mit seinem Bewegungsbedürfnis und seiner wachen Neugierde ein Symbol für Lebendigkeit sein, die ein Mensch in seinem eigenen Leben vermisst.
Durch angeleitete Visualisierungen von Körperbildern (etwa: »Stell dir vor, deine Wirbelsäule ist eine Tanne mit einem flexiblen Stamm, die sich mit den Bewegungen des Pferdes wie im Wind ausbalanciert«) kann auch an der körperlichen Haltung (und damit auch an geistigen und emotionalen Haltungen), beziehungsweise an der Kontaktfähigkeit zum eigenen Körper und zu einem fremden Lebewesen (hier erstmal zum Pferd) gearbeitet werden. Einer ängstlichen Klientin wurde beim Reiten erstmals deutlich, dass ihre Angst sie starr und unflexibel machte, und sie andere Gefühle überhaupt nicht spürte. Wir konnten anschließend daran arbeiten, wie sie mit der Angst akzeptierender umgehen konnte und so Handlungsalternativen in verschiedenen Situationen mit dem Pferd erarbeiten. Schwerpunkte in der Arbeit mit Erwachsenen sind etwa Führungsqualitäten, Arbeit mit Grenzen, Ich-Stärkung, Präsenz, Authentizität und Beziehungsthemen, Glaubenssätze und Introjekte. Ebenso ist diese Form von Psychotherapie/Selbsterfahrung mit dem Pferd besonders für Jugendliche und Kinder ansprechend, da die Therapeutin ressourcenorientiert und zukunftsweisend arbeiten kann; traumatische Erfahrungen nicht zwingend verbalisiert werden müssen, ein Kind aber durchs Reiten und Versorgen des Pferdes wieder Vertrauen und Selbstbewusstsein erlangt (Hufe auskratzen erfordert schon Mut) und mit einer realen Selbsteinschätzung auch wieder guten Kontakt zu Erwachsenen bekommt. Kinder sind oftmals sehr einsichtig, wenn es um Grenzen des Pferdes, ihres Freundes, geht und nehmen diese Einschränkungen dann ohne Trotz an, lernen dabei auch, dass sie selbst auch eigene Grenzen haben und diese keine Schwäche bedeuten. Einem 11-jährigen Jungen wurde beim Reiten klar, dass er erstmal Vertrauen zu dem großen Tier fassen muss und das Reiten mit Zügeln noch nicht anstand. Das Pferd wollte mit ihm nicht losgehen und gemeinsam haben wir dann im Gespräch auch die noch recht große Unsicherheit des Jungen thematisiert. Weil ihm das Reiten wichtig ist, konnte er die Rückmeldung vom Pferd gut annehmen und weiter arbeiten, anstatt wie sonst sich frustriert und vertrotzt in sich selbst zurück zu ziehen. Ein Mädchen bekam durchs Reiten ein positiveres Verhältnis zu ihrem Körper, welches vorher durch Missbrauchserfahrungen zerstört worden war. Das Ausprobieren körperlicher Nähe mit dem Pferd gab ihr zunächst ausreichend Schutz, so dass sie angemessene Nähe generell später als weniger bedrohlich erlebte und auch sagen konnte, was ihr nicht passte.
Besondere Themen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sind hierbei oft Überforderung des eigenen Selbst und der Umwelt, Bedürftigkeit, Vertrauen, Körperbewusstsein und Konzentration sowie Umgang mit Leistungsdruck.
Diese Information zur Psychotherapie auf und am Pferd basiert auf meiner eigenen Auffassung der Arbeit und meinen persönlichen und beruflichen Erfahrungen.
Therapeutisches Reiten an sich beinhaltet noch andere Arbeitsbereiche, die aber allesamt nicht psychotherapeutisch orientiert sind und von daher hier keine Erwähnung finden.
Dipl. Psych. Nele S. Köhler, Tel: 040 / 4903766, Email: info@pferdundpsyche.de, Internet www.pferdundpsyche.de
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im Überblick
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