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Ayurveda - viel mehr als eine reine Wellness-Masche
Von Evelyn Böttger



Eine seriöse ayurvedische Behandlung ist alles andere als eine reine Wohlfühldisziplin. Da der Begriff in jüngster Zeit immer öfter zum Kundenfang missbraucht wird - selbst Kosmetikerinnen mit Ölflasche im Regal »machen in Ayurveda« - ist es gut, immer wieder auf diese fundierte, alte Heilkunst aus Indien einzugehen.

Ayurveda ist eine der &auml;ltesten Gesundheitslehren der Welt. Forscher entdeckten erste Hinweise in einem Sanskrittext, der etwa 1500 bis 1000 v. Chr. niedergeschrieben wurde. Man vermutet aber, dass Ayurveda - wörtlich: die Wissenschaft vom langen Leben - noch sehr viel &auml;lter ist. Zun&auml;chst wurden Weisheiten und Erkenntnisse mündlich überliefert

In Indien selbst glaubt man, dass der Ursprung bei den Göttern zu finden ist.

Der Mensch als Ganzes
Niederschriften mit der Beschreibung von Krankheiten, Diagnosemethoden und Therapievorschl&auml;gen entstanden in der Zeit zwischen 1000 v. Chr. und 700 n. Chr. Bereits damals waren die Gesamterscheinung des Patienten, Stimmlage, Zustand der Fingern&auml;gel, Zungenbelag und Puls, Grundlage jeder Diagnose. Heilkr&auml;uter, Di&auml;t, Massagen und sogar chirurgische Eingriffe wurden schon damals als Bestandteil der Therapie genannt.

In der ayurvedischen Diagnose und Therapie werden immer Konstitution, Lebensumst&auml;nde und psychische Verfassung des Patienten betrachtet. Das bedeutet für ihn oft, sich auf fremdartige Denkweisen einzulassen, denn es geht um mehr als seelische und organische Gesundheit. Auch Schulmediziner anerkennen inzwischen, dass Gesundheit nicht nur durch das reibungslose Funktionieren der Organe gekennzeichnet ist, sondern das die Psyche auf den Organismus einwirkt und krankmachen kann.

Doshas im Einklang
Die ayurvedische Lehre geht davon aus, dass das seelische und körperliche Wohlbefinden von der Harmonie der Doshas ausgeht. Die Doshas sind die »biologische Programmierung des Menschen« sagt Dr. U. Bauhofer, Arzt und Ayurvedaexperte.

Vata-, Pitta- und Kapha-Typ sind die Begriffe für bestimmte Konstitutionen und geistige, seelische und körperliche Merkmale sowie Krankheitsdispositionen. Die meisten Menschen enthalten alle Merkmale, sind also Mischtypen, allerdings immer mit einem deutlichen Schwerpunkt zu einer der drei Neigungen. Der Kapha-Typ, als Beispiel, neigt oft zu Übergewicht, hat eine weiche Haut und nicht selten schöne Augen. Bei gutem Appetit ist die Verdauung jedoch oft tr&auml;ge. Tiefer Schlaf, starkes Durchhaltevermögen, Toleranz und Ausgeglichenheit sind weitere Merkmale.

Kommen die drei Doshas aus dem Gleichgewicht, kommt es zu Störungen und Krankheiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Doshas außer Balance geraten, ist nach überlieferter Ayurvedalehre groß. Die Annahme beruht auf der Vermutung, dass es eine genetische Veranlagung gibt. Jede individuelle Konstitution neigt dazu, sich in die eine oder andere Richtung zu ver&auml;ndern. Faktoren die zur »Unwucht« beitragen können, sind die Jahreszeit, Ern&auml;hrungsgewohnheiten, und das Lebensalter. Man stellte fest, dass bei sehr vielen Menschen mit zunehmenden Alter Vata die Oberhand gewinnt.

Durch eine ayurvedische Behandlung wird die ausgeglichene Balance zwischen den Doshas erhalten oder, wenn nötig, wieder hergestellt.

Schlafstörungen? Stirnguss statt Pille!
Massagen mit wohlriechenden Heilölen sind eine wichtige Therapie der Ayurveda Medizin. Rückenmassagen mit speziellen Heilölen nach Ayurveda-Rezepturen wirken wohltuend und entspannend auf das gesamte Nervensystem. Fußmassagen entschlacken und führen Gifte aus und der beliebte Shirodhara, der Stirnguss, wirkt bei Schlafstörungen, &Auml;ngsten, Schmerzen und Nervosit&auml;t.

Die Wirkung der Öle
Original indischen Ölen wird eine Fülle von Wirkungen zugeschrieben. Maha-Narayana taila steht hier stellvertretend für eine ganze Palette von Ölen, die unter anderem in der Massagetherapie eingesetzt werden. Dieses Öl ist nervenst&auml;rkend, entzündungshemmend und reguliert die Gewebsbildung. Es wird angewandt bei &Auml;ngsten, Depressionen, Altersbeschwerden, Gicht, L&auml;hmungen, Muskelatrophie, rheumatischer Arthritis, Rückenschmerzen, Hexenschuss, Unfruchtbarkeit, allgemeiner Schw&auml;che, Erektionsschw&auml;che und weitere Störungen.

Andere Öle verhindern Ohrenkrankheiten, fördern Appetit oder Stimme, verhindern Karies oder Hypersensitivit&auml;t der Z&auml;hne.

Eine Ayurveda Therapie ist also alles andere als ein reines Wohlfühlprogramm. Der große Erfolg in Deutschland ist darauf zurückzuführen, dass Ayurveda als in die Schulmedizin integriert gilt. Auch die WHO (Welt Gesundheits Organisation) fördert Ayurveda offiziell und lobt die Anwendbarkeit in vielen Klimazonen und Kulturen der Welt.

Ayurveda lernen, verstehen und leben
Diagnose und Therapie erfordern eine solide Ausbildung und Erfahrung. In Indien wird Ayurveda an vielen Hochschulen und Universit&auml;ten gelehrt. Das Studium dauert neun Semester. Hinzu kommt ein halbj&auml;hriges Praktikum, bevor das Staatsexamen abgelegt werden darf. Der Status entspricht dann dem einer schulmedizinischen Ausbildung. Um das traditionelle Ayurveda über die Grenzen Indiens hinaus zu verbreiten, gibt es seit Jahren Bemühungen, Studieng&auml;nge in westlichen L&auml;ndern anzubieten. Bei den Bemühungen ist es allerdings leider bis jetzt geblieben. Kritiker geben zu bedenken, dass ayurvedische Studieninhalte nur in Indien fachgerecht vermittelt werden können. Westlichen L&auml;ndern wird ein philosophisches Verst&auml;ndnis schlichtweg abgesprochen. Bei der Übersetzung der ursprünglichen Sanskrittexte gehen bereits entscheidende Merkmale verloren, meinen Kenner ayurvedischer Intensivbehandlungen.

Diese Tatsachen sollten Ayurvedainteressierten zu denken geben, wenn sie sich in Behandlung begeben möchten. Keinesfalls erwirbt ein Therapeut das umfangreiche Wissen in einem Wochenend-Workshop, wie sie heute h&auml;ufig angeboten werden. Die Behandlung hat Einfluss auf die seelische und physische Verfassung. Deshalb ist es wichtig, genau zu schauen, in wessen H&auml;nde man sich begibt.

Massagetherapeut. Die Ausbildungsmerkmale.
Eine fundierte Ausbildung fordert ein gründliches Wissen über die geschilderten Grundprinzipien des Ayurveda.

Dazu gehört:
• Das Konzept der Doshas
• Die Gewebelehre
• Die Balance der Doshas
• Tagesroutine und Jahreszeiten orientierte Empfehlungen,
• Die Anatomie des Menschen
• Die ayurvedische Ern&auml;hrung
• Kr&auml;uterheilkunde

Zur praktischen Ausbildung benötigt man entsprechend Zeit. Seriöse Anbieter sehen für die Ausbildung mindestens mehrere Monate vor und lassen sie gerne von einem indischen Arzt leiten. Nur dann können die verschiedenen Behandlungsformen gewissenhaft erlernt werden. Massagetherapeuten bieten nicht nur Ganzkörpermassagen sondern auch eine Vielzahl von Teilbehandlungen an. Die Anwendung von Pinda Sveda (Kr&auml;uters&auml;ckchen), oder das Anlegen von »Ölstauseen« will sicher beherrscht sein. Nur so ist der therapeutische Erfolg zu erwarten.

Massage- und Behandlungsformen ganz konkret
Je nach dem, welches Dosha angeregt werden soll, werden unterschiedliche Behandlungen vorgenommen, beispielsweise Abhyanga-Ganzkörpermassagen harmonisieren den Körper und den Geist. Öle helfen der Haut Schlackstoffe abzubauen. Diese Massagen reduzieren besonders die Folgen des Stress.

Udgarshan-Seidenhandschuhmassagen Regen den Stoffwechsel an und wirken Cellulitis entgegen.

Shirodhara-Stirnguss
Angenehm warmes Ayurvedaöl fließt über die Stirn. Der Dhara wirkt entspannend, kl&auml;rt den Geist, bringt Energien in Fluss und stimuliert die Sinnesorgane, besonders wenn sie durch extreme Witterungsverh&auml;ltnisse stark beansprucht werden.

Padabhyanga-Fußmassage
Die Füße spiegeln Teile des Körpers. Die Energieströme werden durch die Massage der Marmapunkte angeregt. Weitere unterstützende Behandlungen fördern das innere Gleichgewicht.

Bei manchen Unbefindlichkeiten gibt es Kontraindikationen. Und die muss der Therapeut sicher kennen und beherrschen. Keinesfalls dürfen akut kranke Menschen behandelt werden. Sie gehören immer in die H&auml;nde erfahrener &Auml;rzte. Nicht umsonst wird von einem ayurvedischen Arzt eine traditionelle medizinische Ausbildung mit anschließender Praxis verlangt, bevor er sich Ayurvedaarzt nennen darf.

VEAT: ein Gütesiegel
Der VEAT (Verband Europ&auml;ischer Ayurveda Therapeuten) ist ein Art Gütesiegel. Ist der gew&auml;hlte Therapeut dem Verband angeschlossen kann man sicher sein, dass über eine fundierte Ausbildung und Praxiserfahrung verfügt wird. Das bezieht sich auf alle ayurvedische Fachbereiche wie Heilkunde, Massage, Therapie, Ern&auml;hrung oder Kosmetik. Der VEAT vertritt Mitglieder aus Deutschland, Österreich, Schweiz und angrenzenden europ&auml;ischen L&auml;ndern.

Wer sich nun aber im Sinne von Wellness einfach mal eine Auszeit und etwas Gutes tun möchte, sollte jetzt aber nicht verschreckt sein und sich einem Massagetherapeuten anvertrauen. Ayurveda ist die Wissenschaft vom Leben; ein Leben im Einklang. Mit allem bekannten Wissen über Ayurveda.

Evelyn Böttger, Tel: 04553 / 98 98 87

     
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