Ausgabe
November / Dezember 2004
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Ein Lösungsweg für Eltern mit AD(H)S Kindern
Von Sonja Ziemann-Lotzmann


Die Lösung liegt
links und rechts vom Weg
des Lebens unserer
Kinder.
Halt geben und sie bedingungslos lieben.
Ja, bedingungslos.
Ja, ohne Bedingungen.
Respektvoller Umgang und
Gleichberechtigung.
Sie so annehmen, wie sie nun mal sind.
Wenn sie diese bedingungslose Annahme spüren,
werden wir mit ihnen wahre
Wunder erleben.



Solche Wunder, wie ich mit meinem heute 11-jährigen Sohn. Am ersten Schultag nach den Ferien wurde er mit den meisten Stimmen zum Klassensprecher gewählt. Ein wahres Wunder.

Diese Ergebnis wäre für die meisten Eltern, eines Kindes mit den folgenden Auffälligkeiten wohl auch ein Wunder:
  • stört und streitet viel
  • mit geringer Frustrationstoleranz
  • leichter Erregbarkeit
  • Impulsivität
  • Leistungsverweigerung
  • Integrationsproblemen mit Gleichaltrigen
  • trotz überdurchschnittlicher Intelligenz Lernstörungen
  • ständigen Problemen in der Schule und bei den Hausaufgaben.
Für solche Eltern, die oft mit Lehrern und anderen Eltern über die »Sünden« ihres Sprosses reden dürfen. Für solche Eltern, wie mich, ist es ein wahres Wunder.

Hierzu nun die Vorgeschichte:
Noch vor eineinviertel Jahren auf dem Gymnasium bekam ich viele »blaue Briefe« ins Haus. In einem wurde mir klar und deutlich erklärt, dass mein Sohn absolut unsozial und unbeschulbar sei.

Wie kam es zu dieser Wandlung meines Sohnes innerhalb eines Jahres?
Ich hatte in den Jahren zuvor alles was ich in Erfahrung bringen konnte in unser Leben integriert. Dazu gehörten Dinge wie Bachblüten, Steuerung des Säure- Basen- Haushaltes, Reduzierung der Strahlung bei Nacht durch Netzabschaltung, vollwertige, zuckerfreie Ernährung und unzählige Dinge mehr. Nichts hatte so wirklich den Durchbruch gehabt. Ich war mit meinen Nerven am Ende.

Besonders schlimm wurde es auf dem Gymnasium, welches mein Sohn mit Empfehlung der Grundschule besuchte. Nach einem halben Jahr mit täglichem Anschreien bei den Hausaufgaben, ständigen unerfreulichen Gesprächen mit Lehrern und immer wiederkehrendes Anschreien im ehelichen Bereich, welches ich auf meine ichverändernde Erziehung zurückzuführte, war meine Ehe fast zerbrochen und meine Lust mit meinem Auto »einfach« so gegen einen Baum zu fahren, wurde von Tag zu Tag größer. Ich wollte einfach meine Ruhe haben. Ruhe! Einfach nur Ruhe!

Aber ich habe es trotz meiner großen Verzweiflung nicht getan. Sondern ich habe mir für meinen Sohn das umstrittene Medikament »Ritalin« aufschreiben lassen und versucht, es ihm zu geben. Da meine Einstellung zu diesem Medikament aber so negativ war und ist, besonders nach dem durchlesen der Nebenwirkungen, konnte ich ihm die Tabletten dann doch glücklicherweise nicht geben.

Aber was sollte ich denn bloß tun?
Der Druck durch die Schule wurde immer größer. Mittlerweile flog mein Sohn fast in jedem Fach nach spätestens zehn Minuten aus dem Unterricht, was ihn auch noch zu freuen schien.

Eine ADS-Spezialistin schlug vor, meinen Sohn, wenn er in Zukunft aus dem Klassenzimmer geschickt wurde, vor der Tür von einem durch das Jugendamt zu beantragenden Sozialpädagogen oder einen Zivildienstleistenden in einen Raum ohne jegliche Einflüsse (wie schreiben oder lesen) bringen zu lassen. Dort sollte er dann so lange über sein (Fehl-)Verhalten nachdenken, bis er es bereuen und Besserung versprechen würde. Dann könnte er in die Klasse zurück.

Wenn keine Besserung durch den Betreuer zu erkennen wäre, müsste ich meinen Sohn abholen und zu Hause weiter ohne irgendwelche Ablenkung oder Beschäftigung solange schmoren lassen, bis endlich die gewünschte Ich-Veränderung einträte.

Das war dann zuviel!

Nicht nur, dass mein auf der Grundschule als Mathegenie geltender Sohn auf dem Gymnasium durch den großen Druck jetzt zwischen vier und fünf stand und kaum noch Zugang zu seiner Intelligenz hatte, jetzt sollte er auch noch in eine Zelle gesperrt werden.

Da schrie mein Mutterherz: nein!

Also nahm ich meinen Sohn in sehr einsamer Entscheidung (weder mein Ehemann noch die meisten meiner Freundinnen und Verwandten fanden meine Entscheidung richtig) von dem Gymnasium. Mit großem Glück fand ich eine Gesamtschule, die meinem Sohn eine neue Chance geben wollte. Im ersten halben Jahr lief es ziemlich chaotisch weiter. Dann wurde es langsam besser.

Dadurch, dass ich etwas an meinem Verhalten änderte, änderte sich auch allmählich das Verhalten meines Sohnes.

Was habe ich geändert?
Ich habe meine Vorstellung, wie mein Sohn zu sein hat, losgelassen.

Ich sehe ihn heute als einen absolut vollkommenen Menschen an. Ich »versuche« (es gelingt immer besser) ihn nicht zu verurteilen und ständig zu kritisieren, auch wenn er nicht das tut, was ich meine, was richtig ist. Von dem, was für ihn richtig ist, kann ich keine Ahnung haben. Woher sollte ich es auch wissen, denn mein Wissen stammt aus der Vergangenheit und das würde ja bedeuten, dass sich alles nur wiederholt und nichts Neues entstehen kann. Das Wichtigste ist, ihn so zu akzeptieren und von ganzem Herzen zu lieben, wie er ist. Bedingungslose Liebe und Anerkennung für all sein Tun, das bringt ihn auf seinem Weg positiv weiter.

Vor jeder Kritik sollte drei mal loben stehen.

Diesen wundervollen, unerkannten und als falsch titulierten Kindern und ihren teilweise sehr verzweifelten Eltern möchte ich gern helfen. Unsere Kinder sind Geschenke und ich möchte Eltern Mut machen nicht die Chemiekeule anzuwenden um diese kleinen Pflanzen mit den großen und sehr alten Seelen auf etwas zu reduzieren, was sie still und gefügig macht.

Sie werden zu mächtigen Bäumen heranwachsen, wenn wir sie so wie sie sind lieben und nicht erst, wenn sie so sind, dass sie gefügig in unsere Welt passen. In jeder Blume liegt eine eigene Schönheit. Es wäre schade und langweilig wenn es nur Rosen gäbe, wo doch die Sonnenblume auch wunderschön ist.

So ist es auch mit unseren Kindern. Erkennen wir die Schönheit des Einzelnen und erwarten nicht, dass unsere Kinder so werden wie wir es wollen. Hört ihnen wirklich zu. Es sind Geschenke, glaubt es mir.

Portrait Sonja Ziemann-Lotzmann Sonja Ziemann-Lotzmann
Jahrgang 1958
Mutter eines Sohnes, verheiratet
freischaffende Künstlerin mit eigener Werkstatt (Tonskulpturen / Bilder) Kursleiterin an der VHS
Langjährige autodidaktische Ausbildung bezüglich ADS.
Tel.0162 4707456
email: sonjas-post@gmx.de

Literaturempfehlung:
Glück der positiven Erziehung / Wayne Dyer
Das Praxisbuch für Indigo-Eltern / Doreen Virtue
Der wunde Punkt / Wayne Dyer