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November / Dezember 2004 |
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Der NordStern Online-Ausgabe |
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Krankheit als Symbol
In unserer Gesellschaft werden Krankheit und Krise weder als Symbole noch als Weg, noch überhaupt als etwas Sinnvolles betrachtet. Aus der Antihaltung der Schulmedizin folgt konsequent ein kämpferischer Ansatz¹, bei dem sich der Arzt mit dem Patienten gegen das Symptom verbündet und versucht, dieses so schnell wie möglich aus der Welt zu schaffen. Aus dem Denken unserer ganzheitlichen Psychosomatik folgt das Gegenteil: Wir verbünden uns gleichsam mit dem Symptom und schauen, was dem Patienten fehlt, so dass dieses Symptom notwendig wurde. Dem Krankheitsbild wird Bedeutung zugemessen, indem es gedeutet wird. Letztlich wird hier homöopathisch gearbeitet: nicht gegen sondern mit dem Symptom.
Auch Schulmediziner deuten ihre erhobenen Befunde, wenn sie eine Diagnose stellen. Erst mit dieser Deutung kommt für die Patienten Sinn ins Geschehen. All die erhobenen Messdaten sagen ihnen wenig, wohl aber die Diagnose, etwa Lungenentzündung. Die Frage ist, warum ausgerechnet an diesem Punkt, wo es erstmals interessant wird, aufhören? Denn natürlich ließe sich nach der Bedeutung der Lunge und dem Wesen der Entzündung weiterforschen. Das Thema der Lunge ist Kontakt und Kommunikation, ist sie doch für den Gasaustausch und die sprachliche Kommunikation verantwortlich, die auf der Modulation des Atemstromes beruht. Mit der Entzündung wird das Thema Konflikt angesprochen. Erreger kämpfen gegen Antikörper mit eindeutig kriegerischen Mitteln. Insofern haben wir es bei der Lungenentzündung mit einem Konflikt im Kommunikationsbereich zu tun. Die häufigen Lungenentzündungen auf Intensivstationen sind Beleg dafür. An den Erregern kann es nicht primär liegen, denn nirgendwo werden sie so bekämpft wie gerade auf solchen Stationen. Wo aber die ganze verbliebene Kommunikation mit der Welt über Plastikschläuche, Kanülen und Elektrodendrähte läuft, bekommen viele Menschen Kommunikationsprobleme, die sich bei Mangel an anderen Ausdrucksformen in Lungenentzündungen verkörpern können. Die deutende Medizin, wie sie sich in Büchern wie »Krankheit als Sprache der Seele« oder »Krankheit als Symbol« ausdrückt, geht davon aus, dass alles körperliche Geschehen Ausdruck eines dahinterliegenden seelischen Inhalts ist. Mit dem Beseitigen von Symptomen landen diese, wie das Wort so ehrlich sagt, auf der Seite beziehungsweise im Unbewussten. Diese Art von Symptomverschiebung würde uns in anderen, etwa technischen Bereichen nicht im Traum einfallen. Leuchtet an einer Maschine das Alarmlicht auf, denken wir nicht daran, das Birnchen zu lockern, um unsere Ruhe zu haben. Bei Kopf- und anderen Schmerzen finden dagegen noch immer Ärzte und Patienten wenig dabei, durch Schmerzmittel lediglich das Warnsignal zu blockieren. Hart formuliert, werden nach diesem System Symptome von Organ zu Organ und Patienten von Spezialist zu Spezialist verschoben. Bei der Entstehung von Krankheitsbildern sinken inhaltliche Themen, deren bewusste Bearbeitung die Betroffenen verweigern, in den Körper und somatisieren sich hier. Es wäre notwendig, sich den Inhalt hinter der körperlichen Symptomatik wieder bewusst zu machen. Ist das Thema ins Bewusstsein zurückgeholt, besteht die Chance, die darin zum Ausdruck kommende Aufgabe zu lösen. Damit aber wäre der Körper von seiner Darstellungsarbeit entlastet. So wird Krankheit als ein Weg erkennbar um zu lernen und jede Krise zur Wachstumschance Zielführender ist der Weg direkt über das Bewusstsein, ohne vorher auf die Körperbühne auszuweichen. Hier eröffnet sich die Chance echter Vorbeugung. Die Schulmedizin spricht bereits von Krebsprophylaxe, wenn sie Früherkennung meint. Früherkennung ist natürlich weit besser als Späterkennung, hat aber mit Vorbeugung nichts zu tun. Ein Krankheitsbild durch Bewusstseinsarbeit überflüssig zu machen, weil man das betreffende Thema schon freiwillig auf geistig-seelischer Ebene bearbeitet, ist dagegen echte Prophylaxe. Wie wichtig, solche Unterscheidungen sind, wird deutlich, wenn wir das Elend der momentanen schulmedizinischen Verzweiflungstaten anschauen, wo gesunde Brüste amputiert werden, um späteren Brustkrebs zu verhindern. Davor wurden 20 Jahre meist gesunde Gebärmütter herausgeschnitten, damit sie nicht entarteten. Nach dieser absurden Logik könnte man so ziemlich jedes Organ »prophylaktisch« wegschneiden und würde dann bei einem Gehirn in Nährlösung enden, das wahrscheinlich große Angst vor Gehirntumoren hätte. So kann und darf eine sinnvolle Medizin nicht »arbeiten«. Wer Krankheit als Sprache der Seele versteht, erlebt am eigenen Leib, dass Form und Inhalt zusammengehören. Krankheit ist der formale Aspekt eines geistig-seelischen Inhalts oder anders ausgedrückt: Symptome sind Verkörperungen seelischer Themen. Die Symptomsprache ist ein Sonderfall der Körpersprache, der mit Sicherheit am weitesten verbreiteten Sprache auf dieser Erde. Obwohl sie die universellste Sprache ist, wird sie allerdings nur noch von wenigen Menschen unserer Kultur bewusst verstanden. Dabei wäre es gar nicht so schwer, sie wieder zu erlernen. Denn unser Körper spricht nicht nur, unsere Sprache ist auch körperlich. Ob wir etwas begreifen oder verstehen, bestimmte Dinge uns an die Nieren gehen oder andere zu Kopf steigen, ab wir uns etwas zu Herzen nehmen, oder es uns auf den Magen schlägt, ob Läuse über unsere Leber laufen oder der Atem vor Schreck stockt, immer ist die Sprache psychosomatisch und zeigt uns eine Verbindung zwischen Körper und Seele, die diese Kultur erst langsam wieder entdeckt. Neben der Körpersprache, die sich in der einfachen Beschreibung der Symptomatik ausdrückt und durch umgangssprachliche Wendungen, Sprichworte und Sprachbilder wirksam ergänzt wird, stehen auch die von der Medizin erhobenen Befunde für die Deutung zur Verfügung. Denn tatsächlich ist ja die formale Beschreibung des Krankheitsgeschehen weder falsch noch überflüssig, nur eben nicht ausreichend. Insofern richtet sich mein deutender Ansatz nicht gegen die etablierte Medizin, sondern ergänzt sie. So erübrigt es sich, Front gegen die Schulmedizin zu machen. Sie beschäftigt sich nun einmal ausschließlich mit der körperlichen Ebene. Reparaturen in diesem Bereich beherrscht sie am besten. Wer aber Heilung in einem umfassenden Sinn sucht, muss sich um eine wirklich ganzheitliche Medizin bemühen, die, ohne die Schulmedizin zu entwerten, doch weit über diese hinaus gehen muss. Die am eigenen Leibe erlebten Symptome und die erhobenen Befunde können gleichermaßen gedeutet werden und Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen zum umfassenden und letztlich immer individuellen Muster des Krankheitsbildes zusammengesetzt werden. Die betroffene Region beziehungsweise das Organ gibt dabei die Ebene an, auf der das Problem abläuft, im Fall der Lungenentzündung also den Kontakt- und Kommunikationsbereich. Das spezielle Geschehen beleuchtet die Art des Problems, in diesem Fall verdeutlicht das Thema Entzündung einen unbewussten Konflikt. Hilfreich zur Deutung haben sich die Fragen erwiesen: Warum geschieht gerade mir, gerade das, gerade jetzt? Woran hindert mich die Symptomatik? Wozu zwingt sie mich? Welchen Sinn erfüllt sie gerade jetzt in meinem Leben? Was will sie mir sagen? Dieser Ansatz kann Krankheit zu einer Chance machen und das Leben nachhaltig bereichern. Bei allen Chancen liegen aber Gefahren in diesem Ansatz, die an einem Buch wie »Krankheit als Symbol« besonders deutlich werden. Wer darin eine Stunde liest, wird die Probleme seiner Bekannten und Freunde durchschauen, denn Tausende von Symptomen sind alphabetisch - wie eben in einem Nachschlagewerk üblich - aufgelistet und gedeutet. Daraus ergibt sich die Gefahr, seine Mitmenschen nach diesen Deutungen zu bewerten oder gar zu be- oder schlimmstenfalls zu verurteilen. Das ist in jeder Hinsicht daneben, zumal Krankheitssymptome immer Schatten darstellen und so niemand zu solchen Anschuldigungen spontan stehen kann. Der Charme dieses Ansatzes eröffnet sich, wenn man die Deutungen auf sich bezieht und in Eigenverantwortung anfängt, Antworten auf die Herausforderungen des eigenen Lebens zu finden. Als zweites muss man sich klarmachen, dass intellektuelles Verständnis allein nicht ausreicht, um mit den Symptomen »fertig zu werden«. Neben diesem Verstehen, das auf der linken archetypisch männlichen Gehirnhälfte zu Hause ist, braucht es auch noch als Ergänzung, die rechte archetypisch weibliche Hemisphäre, die für die Seelenbilderwelten zuständig auch nachts im Traum aktiv ist. Allein hier können wir wirklich »fertig werden« mit unseren Problemen und Lösungen finden, die halten. ¹Diese kämpferische Antihaltung der Schulmedizin ergibt sich schon aus den Bezeichnungen ihres Waffenarsenals, mit dem sie die Krankheitsbilder besiegen will: Antihypertonika und Antikonvulsiva, Antikoagulantien und Antibiotika, Antipyretica und Antihistamininka. Was nicht Anti ist, erweist sich als Blocker (Säure- und Betablocker) oder wenigstens Hemmer (ACE-Hemmer).
Dr. med. Ruediger Dahlke, Jahrgang ´51, Arzt und Autor; seit 1978 als Psychotherapeut, Fastenarzt und Seminarleiter tätig. Ab 1989 Aufbau und Leitung des Heil-Kunde-Zentrums für Psychotherapie, ganzheitliche Medizin und Beratung zusammen mit seiner Frau Margit.Er veranstaltet Seminare und Ausbildungen in Psychosomatik (Archetypische Medizin), Atem- und Psychotherapie, Fasten und Bilder-Meditation; Vorträge und Trainings im deutschsprachigen Raum und in Italien. Literaturempfehlung: Rüdiger Dahlke: »Krankheit als Symbol«, »Aggression als Chance«, »Krankheit als Sprache der Seele« alle erschienen bei Bertelsmann »Das Gesundheitsprogramm«, »Entgiftens-Entschlacken-Entspannen«, »Fasten Sie sich gesund« alle erschinen bei Hugendubel Weitere Informationen: www.dahlke.at Foto und Kurzbiografie stammen aus www.dahlke.at |
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