Ausgabe
November / Dezember 2004
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Jodierung der Lebensmittel
Diese Maßnahme ist auf Sand gebaut
Von Dagmar Braunschweig-Pauli


Fragt man in einer Bäckerei, einem Restaurant oder Krankenhaus nach, welches Salz verwendet wird, ist die Antwort: »Jodsalz«. Jodiertes Speisesalz gilt inzwischen als normales Salz mit gesundheitlichem Nutzen, nachdem seit Jahren von Gesundheitsbehörden, unterstützt von Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE), dem Arbeitskreis Jodmangel e.V. (übrigens von drei Salzkonzernen und zwei Pharmariesen gesponsert) und Forum Schilddrüse e.V., die Werbekampagne für Jodsalz durchgeführt wird.

Man kennt das vom Bundesministerium für Gesundheit herausgegebene Gütesiegel »Gesünder mit Jodsalz«. Das Thema Jod ist gesund (Schlagworte Jodmangel, Jodmangelgebiet, Kropf durch Jodmangel und Jodsalzprophylaxe sowie Eiszeittheorie) wird regelmäßig in der Tagespresse, in Gesundheitsmagazinen, Apotheken-Illustrierten, medizinischen Fachorganen und in Gesundheitssendungen der Medien aufbereitet. Zu selten dringen Informationen über die Risiken und Nebenwirkungen an die Öffentlichkeit, die die Jodierung der Lebensmittel auf die Gesundheit hat.

Warum Jodierung?
Zwei Fakten wurden zur Grundlage der sich nun global ausbreitenden Fehlentscheidung Jodsalzprophylaxe: erstens, dass Jod ein essentielles Spurenelement ist, das die Schilddrüse zur Herstellung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 benötigt; zweitens, dass Jod als Medikament in besonderen Fällen zur Verkleinerung eines Kropfes führt. Erstens beschränkt sich seine Notwendigkeit also auf Spuren, und zweitens hat es in dem Maße, in dem es kropfverkleinernd wirken kann, auch kropffördernde Wirkung und führt bei geringfügig höheren Dosierungen etwa zu Herzproblemen, Über- und Unterfunktion, Morbus Basedow und Morbus Hashimoto. Man ging von geringen Jodausscheidungen im Urin aus - ohne zu berücksichtigen, dass Jod auch über Schweiß, Tränen sowie Kot ausgeschieden wird und dass auch bei geringer Jodausscheidung der Jodbedarf gedeckt sein kann - und unterstellte den gemessenen Spuren Jod, sie seien für alle Bundesbürger zu gering. So wurde Deutschland zum Jodmangelgebiet, angeblich, weil die Eiszeit das Jod aus den Böden gewaschen habe und der so entstandene Jodmangel zwingend zu Jodmangelkröpfen führen müsse. Risiken und Nebenwirkungen wurden ausgeblendet und folgendes beschlossen: zur Vermeidung der durch den vermeintlichen Jodmangel ausgelösten Kröpfe müsse dieser Mangel behoben werden, am besten durch die Jodierung von Salz und Grundnahrungsmitteln, weil diese für jeden Menschen unverzichtbar und unausweichlich seien. Ab 1981 wird deshalb die sogenannte Jodsalzprophylaxe in Form der Salz- und Lebensmitteljodierung schrittweise durchgeführt. Ihr Ziel, die »flächendeckende Jodierung der Lebensmittel«, war durch die ab 1995 abgeschlossene generelle und heimliche Jodierung des Viehfutters erreicht.

Stichhaltige Argumente?
Für die Behauptung »Jodmangelgebiet« fehlen wissenschaftlichen Belege. Es gibt aber Beweise dafür, dass Deutschland nie ein Jodmangelgebiet gewesen war: 2003 veröffentlichte die WHO eine Studie über den weltweiten Jodstatus. Danach ist ab 1993 der Jodstatus in Deutschland »optimal«. Auch für die Zeit davor sind ausreichende, sogar übermäßige Jodwerte belegt: Eine 1984/85 in der Bundesanstalt für Milchforschung in Kiel vorgenommene Analyse des Jodgehaltes von Sammelmilch in der Bundesrepublik ergab, dass der Jodgehalt von Milch über längere Zeit sehr hohe Werte bis zu 575 µ/l erreichte, also den von der DGE geforderten täglichen Jodbedarf eines Erwachsenen (180-200 µ Jod/Tag) bis in den als toxisch bekannten Bereich überstieg. Kinder, deren täglicher Jodbedarf je nach Alter von der DGE auf 50-140 µ Jod/Tag geschätzt wird, waren folglich schon vor 20 Jahren - noch vor der Jodierung fast aller Grundnahrungs- und Futtermittel - über den Verzehr von Milchprodukten nicht nur ausreichend versorgt, sondern in nicht seltenen Fällen sogar überjodiert. In der WDR-Sendung Servicezeit: Kostprobe (22. März 04) »Umstrittene Jodierung von Lebensmitteln«, werden die z.T. hohen Jodmengen von bis zu 490 µ/l in Milchproben aus Thüringen (2000/01) ebenfalls beanstandet, denn laut WHO liegen Jodmengen ab 200 µ/l an der Grenze zu dem Bereich, der zu schweren Erkrankungen führt.

Absurd ist die unverwüstliche Eiszeit-Theorie: im Gegenteil zur Behauptung, die Eiszeit hätte die Böden ausgewaschen, hat sie tatsächlich durch Sedimentablagerungen die Böden mit Jod angereichert.

Zur Feststellung eines Jodmangels muss man den genauen Jodbedarf jedes Mensch kennen. Jodbefürworter Prof. Dr. P. Scriba gibt zu, »dass der direkte Beweis für einen Jodmangel in der Nahrung schwierig ist«. Prof. Dr. K.-H. Bauch (14. Wiesbadener Schilddrüsengespräch 1996) hielt fest, dass die Jodaufnahme, ebenso der Jodbedarf, individuell ist, von Mensch zu Mensch unterschiedlich, so dass es keinen für eine ganze Bevölkerung geltenden Jodbedarf und ebensowenig einen für alle geltenden Jodmangel geben kann. Prof. Dr. P. Pfannenstiel sagte auf demselben Schilddrüsengespräch: »Mythos ist, dass jede Schilddrüsenvergrößerung Folge eines Jodmangels in der Nahrung ist.« Es gibt viele Kropfauslöser: der hohe Nitratgehalt (Überdüngung der Böden) im Trinkwasser, denn Nitrat verhindert die Jodaufnahme, und neben noch nicht bekannten Faktoren etwa die Pille, Huminsäure im Trinkwasser, Vitamin-A und D-Mangel. Jodmangel, offiziell als alleiniger »Sünder« für Schilddrüsenerkrankungen angeprangert, macht, wenn vorhanden, nur ein kleines Steinchen im Mosaik der Kropfbildungsmöglichkeiten aus.

Wahrheitsbeugung zum Schaden der Bevölkerung
Kritik halten die Argumente für die Lebensmittel-Jodierung nicht stand. Weder wird berücksichtigt, dass sich die Jodmengen summieren, noch dass das überschüssige Jod im Körper angereichert wird, noch dass ein großer Teil der Bevölkerung Jodzusätze nicht verträgt, so dass die gesundheitlich bedenklichen Jodmengen bei Vielen schnell erreicht werden. Zu Recht beanstandet deshalb das Robert-Koch-Institut in: »Gesundheitsberichterstattung des Bundes« (Berlin 2002), dass die fast sämtlichen Lebensmitteln zugesetzten Jodmengen in ihren Mengen nicht deklariert werden, so dass eine bedarfsgerechte, kontrollierte Jodaufnahme nicht möglich ist. Es fordert die Überprüfung des Jodstatus der Bürger »sowohl unter dem Gesichtspunkt der Gesundheitssicherung der Gesamtbevölkerung, als auch unter der Berücksichtigung der Vermeidung von Überjodierung als auch unter Berücksichtigung der Vermeidung von unnötigen Kosten im Gesundheitswesen.«

Grundgesetzverletzung
Die sogenannte flächendeckende Jodprophylaxe stand nie zur Diskussion. Politiker, Mediziner, Ernährungsfachleute, die erwähnten Vereine mit Hilfe der Salzlobby sowie Krankenkassen unterstützten sie uneingeschränkt. Mögliche durch Jod ausgelöste gesundheitliche Schäden, von Kritikern dieser Maßnahme stets vorgebracht, wurden zwar einschränkend zugegeben, aber im Interesse einer - alarmierend klingenden - Volksgesundheit, bewusst in Kauf genommen. Die hartnäckige Jodwerbung erzeugte überdies eine euphorische Stimmung, sich nämlich durch die Verwendung von Jodsalz und jodierten Lebensmitteln eine gesunde Zukunft zu sichern. In dieser Hoch-Stimmung geht unter, dass die zugegebene »Schadensinkaufnahme« durch eine Jodierung, der niemand mehr ausweichen kann, eine Zwangsmedikation darstellt, die das Grundgesetz § 2, Absatz 2: »Jeder Bürger hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit«, verletzt. Damit steht die gesundheitspolitisch durchgesetzte Jodierung nicht auf dem Boden unserer freiheitlichen Verfassung.

Zweifelhafter Erfolg: nicht nur Schilddrüse geschädigt
Die Liste der jodinduzierten Erkrankungen reicht von Jodakne bis Zöliakie, über Aggressionen, Atemwegserkrankungen, Depressionen, Diabetes, Herzinfarkt, Hyperaktivität, Impotenz, Krebs, Kropf, Lichtallergie, Osteoporose, Über- und Unterfunktion, Schlafstörungen, Sehstörungen, Tuberkulose und Zappelbeine. Allein die jodinduzierten Autoimmunerkrankungen M. Basedow und M. Hashimoto haben seit 1995 um 16% zugenommen.

Ausweg aus der Jod-Falle
Gezieltes Einkaufen nichtjodierter Produkte ist der Ausweg aus der Jod-Falle.

Allerdings sind über das jodierte Viehfutter fast sämtliche Fleisch- und Milchprodukte, Geflügel und Eier, und alle daraus hergestellten Folgeprodukte, jodbelastet. Abhilfe schaffen - mit wenigen Ausnahmen - Produkte aus Ländern, in denen Viehfutter (noch) nicht jodiert wird.

Literatur:
Dagmar Pauli/Norbert Messing: »Der kritische Einkaufsführer Jod«,
Dagmar Braunschweig-Pauli: »Krankmacher Jod. Die Chronik eines Jahrhundertskandals«,
beide Verlag Ganzheitliche Gesundheit,
eMail: messing-vgg@t-online,de,
www.messing-vgg.de
Dagmar Braunschweig-Pauli: »Die Jod-Lüge. Das Märchen vom gesunden Jod«,
Herbig-Verlag, München 2003

Kontakt- und Informationsadressen:
Deutsche Selbsthilfegruppe der Jodallergiker, Morbus Basedow und Hyperthyreosekranken,
54219 Trier, Postfach 2967, eMail: braunschweig-pauli@web.de,
www.jod-kritik.de
hl-reuters.de/jod
www.jodkrank.de
www.jod-krank.ch