Ausgabe
November / Dezember 2004 |
||
|
Der NordStern Online-Ausgabe |
Aktueller Artikel | Artikelübersicht |
|
|
QxiGong für Kids
Leider bringt es unser Zeitgeist mit sich, dass bereits unsere Kinder unter Stress und vielen gesundheitlichen Beeinträchtigungen leiden. Viele Kinder spüren nicht den Boden unter ihren Füßen und gleichen wilden Hummeln, die sich mal hierhin, mal dorthin bewegen, ohne zur Ruhe zu kommen. Unruhige Kinder brauchen, um ins Gleichgewicht zu kommen, einen Wechsel zwischen Bewegung und Ruhephasen.
Andere Kinder wiederum bewegen sich kaum noch. Sie verbringen ihre Tage fast nur noch sitzend, in der Schule und danach zu Hause am PC oder vor dem Fernseher. Sie haben die Freude an der eigenen Bewegung und Phantasie verloren. QxiGong (gesprochen »Tschigung«) kann Kindern helfen Energie zu sammeln, gesundheitliche Störungen auszugleichen, die Freude am eigenen Erleben wieder zu entdecken und sich zu entspannen. Konzentration, Koordination, Körperwahrnehmung sowie das Sozialverhalten werden durch QxiGong gefördert. Haltungsschäden lassen sich durch stetiges Üben korrigieren. QxiGong für Kids basiert auf Jahrtausend alten heilgymnastischen Übungen aus China. Es ist eine spielerische und effektive Methode, den eigenen Körper, die eigenen Stärken und Schwächen kennen zu lernen und zu nutzen. Die Kinder erleben die Welt der Tiere und Pflanzen mit allen Sinnen und lernen, auf die Natur zu »hören« und sich in deren Gesetze einzufügen. Sie werden ausgeglichener und entdecken die Freuden der einfachen Wahrnehmung. Die sprachliche Vermittlung orientiert sich dabei am Alter der Kinder. Die Übungen sind eine Kombination aus achtsamer Bewegung, Atem und Konzentration. Bewegungsübungen wechseln sich ab mit Übungen in Ruhe. Diese Rhythmisierung beruhigt den Geist und lässt die Kinder gelassener und aufmerksamer werden. Sie erleben nicht nur ein neues Gefühl für ihren Körper sondern auch für ihre Umgebung. Ihr soziales Verhalten verändert sich positiv. Kinder mit ADS oder Ähnlichem erfahren innere Ruhe. Beim QxiGong für Kids geht es nicht um richtig oder falsch. Stattdessen steht das eigene Erleben im Vordergrund. Die Kinder genießen es, sich frei zu bewegen und ihre inneren Impulse auszudrücken. Dabei pflegen sie ihre Energiebahnen und meditieren. Es handelt sich um einfache Übungen, die jeder leicht erlernen kann. Anhaltendes Üben lässt die Kinder selbstbewusster werden. Sie können ihren Herausforderungen gelassener begegnen. Wie in der Tierwelt geht es beim QxiGong für Kids mal laut, mal leise, auf jeden Fall immer mit viel Spaß und Freude zu. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Warum QxiGong für Kids? QxiGong bietet die Möglichkeit, recht schnell im eigenen Körper anzukommen und sich wieder selbst zu spüren. Das bedeutet, mit allen Sinnen im jeweiligen Augenblick anwesend zu sein und die Freuden des einfachen Erlebens wieder zu entdecken. Kinder die den QxiGong-Stand kennen, erfahren was »Verwurzelung« heißt (Energiefülle, Ausgeglichenheit, Freude). Sie wirft so leicht nichts aus der Bahn. Sie haben ein Grundvertrauen und strahlen eine auffällige Selbstsicherheit aus. QxiGong-Kindern sieht jeder an, dass sie zufrieden sind, weil sie auf sich und auf ihre Umwelt vertrauen. Es fällt ihnen leicht, sich einzufügen, mit anderen zu teilen und ihre Rechte wahrzunehmen. Füße/Verwurzelung Der Gang unserer Kinder zeigt uns, wie wenig Bodenhaftung sie haben. Viele Kinder bewegen sich tänzelnd auf ihren Füßen vorwärts oder laufen auf den Ballen. Was ihnen dabei entgeht ist nicht unerheblich. Da sie nicht den ganzen Fuß auf dem Boden abrollen, fehlt ihnen die Verbindung zur Erde unter ihnen. Sie haben kein Bewusstsein dafür entwickelt, dass die Erde sie trägt und hält. Diese Gewissheit und das damit verbundene Vertrauen in die Erdanziehungskraft fehlt ihnen. Nur wenige Kinder stehen heutzutage mit beiden Beinen auf der Erde und können sich verwurzeln. Ein Zuwenig an Kraft in den Füßen zieht oftmals ein Zuviel an Power im Kopf nach sich. Diese überschüssige Yang-Energie, häufig verbunden mit körperlicher Unruhe sind Signale von nicht gelebter Yin-Energie. Damit dieser Yang-Überschuss (Kopflastigkeit, Unruhe, Kopfschmerzen, Stress und ähnliches) ausgeglichen werden kann, ist es wichtig, sich mit allen Sinnen zu verwurzeln, um ihn in die Erde sinken zu lassen. Verwurzelungsübung Wir stellen uns aufgerichtet hin. Unsere Füße stehen etwa schulterbreit auseinander. Mit ihnen spüren wir den Boden unter uns. Nun setzen wir uns in die Hocke und hüpfen mit aller Kraft in die Luft. Unsere Arme fliegen dabei mit nach oben. Wir landen mit unseren ganzen Füßen auf der Erde. Das wiederholen wir noch fünf mal. Jetzt stellen wir uns wieder aufrecht hin. Unsere Zehen sind kleine Käfer, die in die Erde wandern. Und wir graben mit unseren zehn Zehen kleine Kuhlen in die Erde. Allmählich werden unsere Käfer müde. Wir lassen sie einen Moment ruhen und spüren in unsere Fußsohlen hinein. Nun wollen wir erkunden, wie sich der Boden im ganzen Raum anfühlt und bewegen uns wie ein Bär. Der Bär geht mit dem ganzen Körper. Seine Bewegungen sind achtsam und kraftvoll. Der Bär macht den Passgang, er hebt gleichzeitig den linken Arm und das linke Bein. Sein Gang ist rund und breit. Obwohl der Bär schwer ist, besitzt er eine erstaunliche Leichtigkeit und setzt seinen Fuß lautlos auf den Boden. Er verlagert sein Gewicht ganz auf das eine und dann ganz auf das andere Bein. Dabei dreht sich der Oberkörper von der einen Seite zur anderen. Die Arme bewegen sich wie von selbst mit. Sie erheben sich aus den Schultern heraus, wie beim Kraulen. Auch die Armbewegungen sind rund. Der Bär ist mit seinen Sinnen immer im Zentrum der Bewegung. Es ist schon eine Kunst, das Gleichgewicht zu halten. Der Bär kennt ein paar Tricks, mit denen er es spielend schafft: Sein Oberkörper ist aufgerichtet und mit der Pranke, die nach unten zeigt, stützt er sich auf eine unsichtbare Mauer. Wenn der Bär total gute Laune hat, geht er am liebsten rückwärts, ohne nach hinten zu schauen. Und wenn er genug gegangen ist, nähert er sich seiner Höhle und legt sich dort zu einem Nickerchen nieder.
Martina Brosig,1962 in Frankfurt am Main geboren, Dipl.-Sozialarbeiterin, 1989 kam der erste Einstieg in Tai Ji, QxiGong und Meditation, wobei der Schwerpunkt auf QxiGong lag. Seit 2000 leitet Sie eigene Gruppen mit Erwachsenen und Kindern. Nebenhofstr. 5, 23558 Lübeck, Tel: (0451) 50 59 382, e-mail: MartinaBrosig@web.de |
|
| Copyright © 2004 Kwiatkowski Verlag | ||