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Januar / Februar 2005 |
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Der NordStern Online-Ausgabe |
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Colostrum - Helfer in schweren Zeiten
Das Wunder aus der Muttermilch - Ein Jungbrunnen?
In letzter Zeit hört man immer mehr über Colostrum, und den Gebrauch als Nahrungsergänzungsmittel.
Was ist Colostrum? Was hat es damit auf sich? Wofür eignet es sich? Colostrum ist die erste Absonderung der Milchdrüsen nach der Geburt. Mensch und Säugetiere haben es gleichermaßen und in überraschend weitgehender Übereinstimmung, was die Inhaltstoffe angeht. Solange es Säuger gibt, so lange gibt es auch schon Colostrum. Seit Jahrtausenden verwendet der Mensch tierisches Colostrum, allerdings ist dies in der Neuzeit zumindest in der »Zivilisation« vollkommen aus der Mode gekommen und in Vergessenheit geraten. Wozu dient Colostrum? Colostrum ist die erste Nahrung, die ein Säuger zu sich nimmt. Es dient ihm sozusagen als erstes Überlebenspaket beziehungsweise als Erstausstattung für sein neues Leben. Nur mit Colostrum konnte und kann ein Neugeborenes kraftvoll in die ersten Monate gehen. Bekommen es etwa Kälbchen, Schweine oder Ziegen nicht von ihrer Mutter, so werden sie meist so genannte Kümmerer, neigen zu häufig tödlichen Infekten, oder haben dadurch alle möglichen rheumatoiden Erkrankungen und Durchfälle. Colostrum fördert die Reifung verschiedener Organsysteme wie etwa des Hormonsystems, des Magen-Darm-Traktes, des Bewegungsapparates und des Immunsystems. Mit Colostrum gefütterte Tiere gedeihen besser und nehmen daher schneller an Gewicht zu. Versuche haben auch gezeigt, dass etwa das Colostrum von Kühen, ebenso bei anderen Säugern, seine lebensfördernde Wirkung entfaltet. Dies tut es entsprechend seiner Ähnlichkeit auch beim Menschen. Das Colostrum von Wiederkäuern, also Rindern, Schafen, Ziegen, ist sogar besonders hoch aufgeladen mit vitalisierenden Stoffen. Dies liegt an der Beschaffenheit ihrer Placenta, sie lässt nämlich nur äußerst kleine Bausteine, die kleiner sind als die meisten Vitalstoffe, hindurch. Deshalb sind die Säuglinge dieser Tierarten nach ihrer Geburt besonders gefährdet. Die Weisheit der Natur hat dafür mehr als den perfekten Ausgleich - das Colostrum. Die das Überleben fördernden Vitalstoffe kommen also via erster Muttermilch in den kindlichen Organismus, wo es krankheitsvorbeugende, wachstums- und regenerationsfördernde Mechanismen in Gang setzt, das Immunsystem trainiert, und die körperliche Leistungsfähigkeit stark erhöht. Zudem ist das Colostrum durch seine Inhaltsstoffe quasi das Urvertrauen selbst, nämlich das Vertrauen vom Stadium des Neugeborenen sicher, geschützt, kräftig und frohwüchsig in das Nächste begleitet zu werden. Welche Stoffe sind es, die Colostrum zu der einzigartigen und vielleicht wunderbarsten Nahrung in der Welt der Säuger machen? Eine schier unendliche Vielfalt an Substanzen ist dies. Sie alle zu benennen und zu erklären würde ein ganzes Buch füllen. Hier die Wichtigsten und Interessantesten als Auswahl. Naturgemäß kommen so gut wie alle Vitamine, Mineralstoffe sowie alle Aminosäuren in unterschiedlichster Konzentration vor. Höchst interessant sind dabei die Stoffe, die spezifische und unspezifische antimikrobielle (also keimtötende) Wirkung haben, wie Immunglobuline, Antikörper, Peroxidasen, Lysozyme, Lactoferrin, Lactoferrizin, Lactalbumin, die sich direkt oder indirekt auf Krankheitserreger wie Pilze, Bakterien oder Viren stürzen und spezialisiert sind, eine enorme Vielfalt an Eindringlingen unschädlich zu machen. Daneben gibt es Stoffe, die unsere körpereigenen Abwehrsysteme regulieren, wie es etwa prolinreiche Polypeptide bei der Thymusdrüse tun oder Zytokine, die maximale Dauer und Stärke der Immunaktion steuern. Viele der hier genannten Stoffe sind ihrer Natur nach Eiweiße und würden theoretisch von unserer Magensäure und anderen Verdauungssäften zerstört werden. Praktisch ist das nicht der Fall, weil sich die Natur auch hier etwas hat einfallen lassen: Angedockte sogenannte Glykoproteine und Trypsin-Inhibitoren verhindern speziell die Verdauung von Immunglobulinen und Wachstumsstoffen. Das Colostrum enthält mehrere Wachstumsstoffe, sie tragen unter anderem zur spontanen Heilung von Wunden und von beschädigtem Gewebe bei. Der Wachstumsfaktor IGF-1 beschleunigt die Umwandlung von Körperfett in Energie und erhöht das Konzentrationsvermögen im Gehirn. Weiter finden wir das EGF; einen Faktor, der die Regeneration der Haut stimuliert. Dies zeigt sich bei überstrapazierter oder vorgeschädigter Haut und er hilft regenerativ unterstützend zur üblichen Therapie bei Neurodermitis. Daneben gibt es im Colostrum noch Faktoren wie das TGF-A, TGF-ß, die mithelfen, Zellen zu vermehren und geschädigte Zellen wieder herzustellen. Colostrum enthält auch eine geringe Telomeraseaktivität; Telomerase ist das Enzym, das unseren Zellen ermöglicht, sich immer wieder zu teilen, was gerade in Zeiten zunehmender Verlangsamung der Zellteilung, etwa im Alter, von Wichtigkeit ist. Zusätzlich findet man unter anderem auch L-Carnitin, Taurin und Q10 als natürliche Kraftgeber des Colostrums. Der sogenannte Transferfaktor, der erst relativ neu im Colostrum entdeckt wurde, ermöglicht es der Körperabwehr, den Code von mikrobiellen Eindringlingen zu knacken, so hilft dieser Faktor, einem untrainierten Abwehrsystem auf die Sprünge. Viele der genannten Stoffe stehen uns in der Natur ausschließlich durch das Colostrum zur Verfügung. Die weise Abstimmung der einzelnen Stoffe macht seine Genialität aus. Sie dienen ausschließlich zur Optimierung der verschiedensten Körperfunktionen. Einige dieser Substanzen im Colostrum kommen in unerwartet hoher Konzentration vor, wie die Immunglobuline. Allein von Immunglobulin G ist pro Liter etwa sechzig Gramm (!) vorhanden. Von vielen anderen Bestandteilen wiederum kommen sehr kleine Mengen vor. Aber die Komposition insgesamt ermöglicht durch deren Zusammenwirken einen beeindruckenden Effekt auf unseren Organismus, der dem eines Jungbrunnens gleicht. Selbst bei vielen tausend Patienten, die dieses Nahrungsergänzungsmittel teils längerfristig einnahmen, haben wir Therapeuten, von sehr seltenen Unverträglichkeitsreaktionen abgesehen, keinerlei nachteilige Folgen vermerkt. Dass Colostrum beim Menschen aktiv wirkt, ist schon eine alte Erfahrungstatsache. So hilft es dem Köper auf vielfache Weise zur vorbeugenden oder spontanen Heilung aufgrund seiner ausgeprägt stärkenden und regenerativen Kraft. Ich gebe Colostrum deshalb seit etwa zehn Jahren bei vielen Patienten mit akuten oder chronischen Erkrankungen. Zusätzlich zur naturheilkundlichen oder auch schulmedizinischen Behandlung erhalten sie Colostrum etwa in Kapselform, weil ihr Körper oft erst dadurch die Kraft bekommt therapeutische Heilreize aktiv umzusetzen. Besonders gute Erfolge dieser Art haben wir so erzielt bei energetisch stark reduzierten Menschen, wie bei Krebserkrankten, aber auch bei ganz »normalen« Erschöpfungssyndromen (burn out). Die Patienten erholen sich wesentlich schneller. Bei entzündlichen Darmerkrankungen hilft es vielfach um Schüben vorzubeugen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn). Vorbeugend (etwa täglich 2 x 2 Kapseln) und bei eingetretenen Reisedurchfällen (hier 3 x 5 Kapseln und gegebenenfalls Arzt hinzuziehen!) eignet es sich ideal als Reisebegleiter, speziell bei ungewohnter Kost. Aber auch bei Neurodermitis-Patienten empfehle ich Colostrum fast immer zusätzlich zur konstitutionellen Behandlung, weil die guten Ergebnisse schneller eintreten. Bei leichten Fällen heilt der Körper die Haut oft spontan, wenn man nur Colostrum gibt. Ein ganz hervorragendes Einsatzgebiet von Colostrum sind infektgefährdete Menschen. Pollenallergiker sind oft sehr überzeugte Colostrumkonsumenten, weil den Symptomen des Heuschnupfens optimal vorgebeugt wird. So unterstützt es vom Kind bis zum Greis auf unerwartet vielfältige Weise die natürliche Heilkraft unseres Körpers. Besonders Spitzensportler wissen, warum Colostrum bei ihnen als Geheimtipp gilt; genauso unterstützt es aber auch im Breitensport Leistungsfähigkeit und schnelle Regeneration schon im Training. Meine Erfahrungen habe ich ausschließlich mit dem Colostrum von Kühen gemacht, das entkaseiniert, entfettet und weitgehend entzuckert ist. Nur durch die weitere, sehr schonende Anwendung modernster biotechnologischer Verfahren, können die sehr empfindlichen Bestandteile aktiv erhalten werden. Durch diese Vorgänge werden dem Colostrum großmolekulare Eiweißstoffe und Laktose entzogen, die sonst häufig zur sogenannten Milchunverträglichkeit führen. Im allgemeinen habe ich Kapseln von 200 mg empfohlen, in einer Tagesmenge von meisten 600 mg für den Erwachsenen. In akuten Zuständen gebe ich kurzfristig noch viel mehr. Unbedingt zu erwähnen ist, dass dem Neugeborenen Kälbchen »seine« Erstmilch erhalten bleibt. Erst wenn es sich sattgetrunken hat, darf das überschüssige Colostrum vom Menschen verwendet werden. Colostrum wird das Gemelk innerhalb der ersten fünf Tage nach dem Kalben genannt. Wir nutzen es nur in den ersten zwölf Stunden nach dem Kalben, weil in diesem Zeitfenster die typischen Bestandteile in ihrer höchsten Konzentration vorhanden sind.
Dr. med. Georg Beer bezeichnet sich selbst gerne als Naturarzt und begann schon nach 1/3 seines Universitätsstudiums sich mit der alternativen Heilkunst zu beschäftigen.Er ist seit 23 Jahren Arzt für Homöopathie und Naturheilverfahren. Seine Tätigkeitsschwerpunkte: F.-X. Mayr Arzt, Akupunktur, Regulationstherapien |
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