Ausgabe
Januar / Februar 2005
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Schamanismus und systemisches Aufstellen
Kontakt mit den Ahnen
Von Axel Möller


»Kontakt mit meinen Ahnen? Meinen sie wirklich, dass ich Kontakt mit meinen Ahnen aufnehmen kann?« »Ja, natürlich!« »Aber ich habe doch keinerlei Erfahrungen, wie ich dies machen könnte?«

So könnte ein Dialog aussehen, wenn es darum geht, den Kontakt mit unseren Ahnen aufzunehmen.

Doch warum sollten wir den Kontakt mit unseren Ahnen aufnehmen? Einfach nur so, um mit der verstorbenen Großmutter zu sprechen? Einfach nur so, um etwas Unausgesprochenes noch zu besprechen?

Es gibt sicherlich viele Gründe, um mit unseren Ahnen in Kontakt zu kommen. Wenn ich Ahnen schreibe, so meine ich nicht nur die Ahnen, sondern auch verstorbene Partner oder auch verstorbene Kinder.

Nochmals, warum sollten wir also den Kontakt suchen? Könnte es sein, dass wir in diesem Leben noch etwas aufräumen wollen, könnte es sein, dass wir spüren, dass jetzt die Zeit dafür reif ist, könnte es sein, dass eine Lösung in diesem Kontakt liegen könnte, unabhängig davon, ob es um Opfer- oder Tätersein handelt.

Wir alle tragen die Last von Generationen auf unseren Schultern, wir tragen die Lasten unserer Familien, tragen die Lasten der Weltkriege und des Holocaust.

Innerhalb der Gesellschaft, innerhalb von Familien wird die Energie der Schuld, der Scham immer weiter gegeben. Es geht nicht um das Urteilen, sondern nur um das Bearbeiten von ungelösten Problemen, die wir seit Generationen mit uns herumschleppen. Dies sind nicht nur unsere Probleme, sondern auch die der Familie.

Wollen wir sie immer noch mit uns herumschleppen?
Nein. Die Zeit ist gekommen, in der wir mit den Problemen unserer Familie arbeiten können, durch den Kontakt mit den Ahnen, können wir die über viele Generationen angehäuften Probleme auf sehr einfache Weise zum Ende bringen. Hierzu gehört auch die Einsicht, dass wir ansonsten diese Probleme innerhalb unserer Familie fortsetzen.

Welches Interesse haben die Ahnen, dass wir diese Arbeit machen?
Wir helfen auch Ihnen, denn wenn wir die Problematiken nicht lösen, so werden auch sie immer wieder auf die Erde kommen, um die Bearbeitung voran zu treiben, denn nur wir Menschen, die wir hier auf der Erde leben, können für die Lösung beitragen.

Doch wie können wir die Probleme der Familie auflösen?
Die Lösung liegt sowohl im systemischen Aufstellen als auch in der schamanischen Bearbeitung. Das systemische Aufstellen oder auch Familienaufstellen genannt, beinhaltet Elemente, die den Schamanen schon immer bekannt waren. Jeder, der bereits Stellvertreter innerhalb eines Systems beim Familienstellen war, weiß, dass er von Gefühlen überflutet wird, die nicht unbedingt seine Eigenen sind, denn es können die Energien der Ahnen anwesend sein und sie stehen uns hilfreich beiseite.

Beim Aufstellen stehen Personen stellvertretend für Familienmitglieder und werden an bestimmte Positionen gestellt und sie äußern dabei ihre Gefühle und Empfindungen. Die Lösung liegt darin, die Stellvertreter so zu platzieren, dass sich daraus eine Lösung des aufgestellten Problems ergibt.

Das Aufstellen erfolgt immer aus dem Aspekt heraus, dass es einer Person nicht gut geht und sie deshalb über das systemische Aufstellen eine Lösung erwartet. Häufig stellt sich dabei heraus, dass der Grund, der im Vordergrund stand, gar nicht entscheidend ist, sondern, dass andere Faktoren eine Rolle spielen und die Lösung in einem nicht vermuteten Bereich liegt.

Beim systemischen Aufstellen, ist der Kontakt mit den Ahnen immer passiv. Dies ist ganz anders, wenn wir schamanisch arbeiten. Der schamanisch Arbeitende ist in der Lage einen Bereich zu betreten, der außerhalb unserer alltäglichen Wahrnehmung liegt, Castaneda hat hierfür den Begriff der Nicht-Alltäglichen-Wirklichkeit (NAW) geprägt. In der NAW können wir den Ahnen direkt begegnen und mit ihnen kommunizieren, dies erfolgt mittels der schamanischen Reise. Der Reisende geht dabei bewusst in einen anderen Bewusstseinszustand, den er aber jederzeit kontrollieren kann. Unterstützt wird diese Reise durch rhythmisches Trommeln mit etwa 220 Schlägen in der Minute. Es können auch andere Instrumente benutzt werden, wie Rasseln, Gongs, Klangschalen. Um von der Reise wohlbehalten zurück zu kommen, gibt es ein Rückholsignal, das den Reisenden daran erinnert, wieder in diese Welt, ins Alltagsbewusstsein zurückzukommen.

Da wir uns in der NAW, in der anderen Wirklichkeit nicht auskennen, brauchen wir die Unterstützung von Verbündeten. So steht am Anfang einer jeden schamanischen Arbeit das Kennenlernen von Verbündeten. Dies können Krafttiere sein oder auch spirituelle Lehrerinnen und Lehrer, wobei die Anzahl dabei unbegrenzt ist, denn bei der praktischen schamanischen Arbeit begegnen wir den Verbündeten, die für die Arbeit notwendig sind. Dabei entstehen sehr häufig interessante Begegnungen, denn plötzlich ist eine bekannte Persönlichkeit anwesend, die wir vielleicht aus heiligen Schriften kennen oder die uns aus der Familie bekannt ist. So war es für mich sehr schön, dass am Anfang meiner schamanischen Arbeit, meine Urgroßmutter für lange Zeit meine Lehrerin war.

In unseren Seminaren, in denen wir sowohl schamanisch als auch systemisch arbeiten, steht deshalb am Anfang immer der Kontakt mit unseren Ahnen. Da wir aber gar nicht genau wissen, was im Moment für uns und unsere Ahnen am Wichtigsten ist, reisen wir zu unseren Verbündeten und bitten sie, sie mögen uns doch bitte mit den Ahnen in Verbindung bringen, die etwas innerhalb der Familie auflösen wollen. Mit Sicherheit ist dieses Lösen nicht nur für die Ahnen relevant, sondern auch für uns, die wir hier leben.

Aus der Problematik dessen, was zu lösen ist, ergibt sich, ob es günstiger ist, dieses schamanisch zu bearbeiten oder mit Hilfe der systemischen Aufstellung oder auch in einer Kombination aus beiden Methoden.

Sie mögen jetzt vielleicht fragen: »Und was ist mit mir, die ich überhaupt keine Ahnung vom schamanischen Reisen habe, beziehungsweise noch nie etwas davon gehört habe?«

Keine Angst, das Erlernen der schamanischen Reise, der Kontakt mit den Verbündeten in der Nicht-Alltäglichen-Wirklichkeit ist sehr einfach und von fast allen Personen innerhalb kurzer Zeit zu erlernen, hierfür reichen wenige Stunden aus.

Bilder vom Kwiatkowski Verlag

Portrait Axel Möller Axel Möller Jahrgang 1952 war bis vor acht Jahren als geschäftsführender Gesellschafter seines Systemhauses tätig. Heute arbeitet er schamanisch und hat sich auf Traumata und Ängste spezialisiert und veranstaltet schamanische Seminare.
Publikationen:
Co-Autor »Schamanismus und Engel« erschienen im Param-Verlag
im kommenden Frühjahr erscheint »Übernahme der Verantwortung« im Ostergaard-Verlag
Weitere Infos:
www.axel-moeller.de