Ausgabe
März / April 2005
Aktueller Artikel Artikelübersicht
 
Der Deszendent - was mir fehlt
Von Christina Pfingsten und Christa Wagner


Der Deszendent ist das Zeichen, das zum Zeitpunkt der Geburt am westlichen Horizont untergeht und somit dem Aszendenten stets genau gegenüber liegt. Das bedeutet, das etwa alle Menschen mit dem Aszendenten Löwe als Deszendenten das Zeichen Wassermann haben, alle mit einem Schütze-Aszendenten einen Deszendenten in Zwilling.

Was wir im letzten Artikel über den Aszendenten gesagt haben gilt in gleicher Weise auch für den Deszendenten: er ergibt sich ebenfalls aus der Schnittstelle zwischen dem Horizont und dem Zodiak, nur eben nicht auf der östlichen sondern der westlichen Seite. Und so wie alle zwei Stunden ein neues Zeichen im Osten aufgeht geht auch alle zwei Stunden ein neues Zeichen im Westen unter.

Während sich nun aber zumindest alle Astrologie-Interessierten mit ihrem Aszendenten identifizieren, sind sich nur wenige ihres dazugehörigen Dezendenten bewusst. Und während wir die Qualitäten des Aszendenten von Geburt an bewusst oder unbewusst selbst ausleben, scheinen die Qualitäten des Deszendenten uns gerade nicht zugehörig zu sein, scheinen uns selbst zu fehlen und wir suchen, entdecken und erkennen sie erst im Gegenüber.

Am Aszendenten sind wir ganz wir selbst, hier am Deszendenten erfahren wir uns als vom Du verschieden. Er symbolisiert was uns selbst mangelt und was wir deshalb in der Begegnung mit dem Du suchen - und das können gleichermaßen Freundschafts-, Liebes-, Geschäftsbeziehungen oder aber Feindschaften sein. »Der Deszendent spiegelt also einen wichtigen Gegenpol, den wir lieben oder hassen können, der uns aber in jedem Fall ergänzt und üblicherweise über die Partnerschaft und andere Beziehungen in unser Leben tritt.«(Theler, AH 64; 25)

Während der Aszendent anzeigt, was die anderen in uns sehen und wie wir uns ihnen gegenüber darstellen, zeigt der Deszendent, was wir im anderen suchen und welche Erwartungen wir an eine Beziehung haben, was wir uns, häufig jedoch ganz unbewusst, vom Partner wünschen. Anders ausgedrückt gibt der Deszendent Auskunft darüber welche Lebensthemen und Qualitäten wir auf andere projizieren, im »Guten« oder im »Schlechten«.

Wie im letzten Artikel dargestellt, ist es oft schon schwierig genug sich mit seinem Aszendenten »anzufreunden« - noch viel schwieriger kann es aber sein, sich mit seinem Deszendenten zu identifizieren. Zunächst hat man vielleicht das ungute Gefühl immer wieder an die falschen Menschen zu geraten, an aggressive, wo man doch selbst so friedliebend ist, an kühl distanzierte, wo man doch selbst so zärtlich und zugewandt ist. Oder aber man idealisiert den Partner gerade für seine Durchsetzungskraft, beziehungsweise seine Ernsthaftigkeit und Selbstdisziplin und macht sich selbst daneben »klein«. Letztlich geht es jedoch darum, zu erkennen, dass es nicht um ein »entweder - oder« geht, sondern um eine Ergänzung und die gegenseitige Verfeinerung und Weiterentwicklung beider Pole.

Daraus ergibt sich, dass es sinnvoll ist den Deszendenten stets im Zusammenhang mit dem Aszendenten zu betrachten. Menschen mit einem Deszendenten in Widder zum Beispiel, bringen einen Aszendenten in Waage mit sich. Sie sind in besonderem Maße in der Lage, ihre Umwelt objektiv einzuschätzen und einen kultivierten und harmonischen Kontakt zu ihren Mitmenschen zu unterhalten. Entscheidungen zu treffen und offensiv gegen andere vorzugehen fällt ihnen hingegen oft schwer. Der Widder-Deszendent zeigt was ihnen fehlt: Draufgängertum, Abenteuerlust, der Mut zum Streit. Und so fühlen sie sich, manchmal widerstrebend, angezogen von Menschen die energisch und durchsetzungsstark sind, mit denen sie die Abenteuer erleben können, die ihnen allein verwehrt zu sein scheinen.

Umgekehrt tritt jemand mit einem Aszendenten in Widder selbstbewusst und mutig der Welt entgegen. Spontan und impulsiv und mit einer gehörigen Portion Egoismus verfolgt er seine Ziele. Das Leben ist für ihn ein beständiger Wettbewerb, bei dem er stets der erste sein möchte. Was ihm jedoch fehlt ist die Diplomatie und Friedfertigkeit der Waage, die Fähigkeit Kompromisse einzugehen. Vordergründig mag ein solcher Mensch das heiße Abenteuer suchen, aber die »kultivierte« Liebesbeziehung, die sich harmonisch in das soziale Umfeld einfügt, lehrt ihn, sich entspannt und gelassen zu fühlen und seinen Mitmenschen mit Fairness und Nachsicht zu begegnen.

Planeten, die in einem engen Aspekt zum Deszendenten stehen symbolisieren Energien, die vor allem in einer Partnerschaft entdeckt und erlebt werden können und müssen. So zeigt etwa die Sonne in der Nähe des Deszendenten an, dass wir vor allem durch eine intensive Beziehung mit einem anderen Menschen zu unserem Selbst finden.

Christina Pfingsten und Christa Wagner, astrologieBüro Kalleby
Tel. 04632-8587
Fax 8586
eMail: Kalleby10@t-online.de