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September / Oktober 2005
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Das Phänomen der Nachtodkontakte
Von Bernard Jakoby


Sterbeprozess Nachtodkontakte hat es schon immer gegeben, zu jeder Zeit und in jeder Kultur auf der ganzen Welt. Sie sind keineswegs Relikte früherer, unaufgeklärter Zeiten. Begegnungen mit Verstorbenen ereignen sich tagtäglich mitten unter uns: an jedem Ort und zu jeder Zeit. Sie können sogar noch viele Jahre nach dem Tod eines Angehörigen plötzlich und unerwartet auftreten.

Eine erst unlängst in Amerika durchgeführte Studie belegt, dass mehr als die Hälfte aller Amerikaner an die Existenz von Geistern glauben und bereits Begegnungen mit Verstorbenen erlebt haben. Für Europa können wir ebenfalls davon ausgehen, dass weit über die Hälfte der Bevölkerung im Umfeld des Todes von Angehörigen spontane Erfahrungen mit Verstorbenen gemacht hat.

Berichte aus aller Welt und allen Kulturen belegen, dass es besonders im Todesmoment eines Angehörigen zu solche spontanen Phänomenen kommt. Verstorbene verabschieden sich meistens genau dann, wenn die Seele den Körper endgültig verlässt. Unlängst erzählte mir die Freundin einer verwaisten Mutter in einem Seminar:
»Miriam wachte nachts gegen 4.00 Uhr auf. Eine sonderbare Unruhe erfüllte sie, und sie musste immer wieder an ihre 13-jährige Tochter Nana denken, die sich im Endstadium einer Leukämie im Krankenhaus befand. Schon seit Tagen kündigte sich ihr Tod an, doch weil Miriam so erschöpft war, blieb sie diese Nacht zu Hause. Plötzlich spürte sie die Gegenwart ihrer Tochter und sah einen Lichtkegel, in welchem sie Nana erblickte. Ein kurzes Lächeln, ein Winken mit der Hand, und schon war der Augenblick der Erscheinung vorbei. Hatte sie sich das alles nur eingebildet? Voll von Zweifeln und Angst über das Erlebte rief sie die Nachtschwester im Krankenhaus an. Diese teilte ihr mit, dass sie soeben den Arzt angerufen habe, da Nana um vier Uhr gestorben sei.«

Bild Derartige Phänomene werden immer wieder berichtet. So bleiben im Augenblick des Todes Uhren stehen, die Gegenwart des soeben Verstorbenen wird gespürt, oder der Sterbende erscheint gar, Bilder fallen von der Wand, Gegenstände werden auf unerklärliche Weise bewegt und so weiter. Oft verabschiedet sich ein soeben Gestorbener, indem seine Seele förmlich durch das Herz des Angehörigen geht.

Eines des faszinierendsten Erlebnisse, die in den letzten Jahren zunehmend geschildert werden, ist das so genannte Mitsterben von Angehörigen. Das bedeutet, dass Angehörige zeitgleich den Übergang eines geliebten Menschen im außerkörperlichen Zustand miterleben. Sie befinden sich außerhalb des Körpers und begleiten den Verstorbenen, wie in einem Nahtoderlebnis, auf seinem Weg in die geistige Welt. Die Sterbeforschung bezeichnet derartige Erlebnisse als empathische Todeserlebnisse.

Bild Tunnel Eine Frau schrieb mir: »Meine Tante litt an Knochenkrebs und wusste, dass sie bald sterben wird. Wir verabschiedeten uns und wussten, dass wir uns erst in der anderen Welt wieder sehen werden. Am Tag ihres Todes war ich zu Hause in Osnabrück. Meine Mutter rief mich mittags an und sagte, dass es meiner Tante nicht so gut gehe. Ich ahnte es bereits, da ich den ganzen Tag aufgewühlt und traurig war. Abends gegen 18.15 Uhr ging ich wie automatisiert in die Küche und befand mich in einer Art meditativem Zustand. Im Geiste war ich plötzlich bei meiner Tante im Zimmer. Meine Oma, die schon früher verstorben war, war bei ihr. Sie wiegte meine Tante sanft in ihren Armen und wollte sie abholen. Ich sah auch meinen noch lebenden Onkel an ihrem Sterbebett sitzen, der viel weinte und traurig war. Meine Tante schlief dann friedlich ein. Die Szene verblasste, und ich kam in der Küche wieder zu mir. Es war 18.30 Uhr. Eine Stunde später rief meine Mutter an, um mir mitzuteilen, dass meine Tante vor einer Stunde friedlich im Beisein meines Onkels eingeschlafen sei.«

Die verschiedenen Formen von Nachtodkontakten:
Das wohl am häufigsten berichtete Phänomen bei den Nachtodkontakten ist das Erleben der Gegenwart eines verstorbenen Angehörigen oder Freundes. Dabei stellt sich ein unmittelbares Gefühl von Nähe oder Anwesenheit ein. Der Betroffene spürt buchstäblich die spezifische Ausstrahlung des Verstorbenen. Man kann das auch als Wärme umschreiben, die den Erlebenden einhüllt als befreiendes Gefühl von Geborgenheit und Liebe.

In den meisten Fällen wird die Präsenz spontan erlebt, wobei der Betroffene nicht einmal an den Verstorbenen gedacht haben muss. Das Gefühl von Gegenwart tritt also in ganz alltäglichen Situationen auf. Es ist ein inneres Wissen darüber, dass sich der Verstorbene im selben Raum oder Umfeld befindet. Die Anwesenheit wird als vertraut empfunden, da das individuelle Energiemuster des Verstorbenen gespürt wird.

Die Auswirkungen sind in den meisten Fällen überaus positiv: Viele Betroffene beschreiben ein Gefühl von Gelassenheit und erfahren inneren Frieden. Sie wissen dann, dass wir nach unserem Tod weiterleben und nicht alleine sind. In vielen Fällen kommt es durch einen Nachtodkontakt auch zu der Akzeptanz eines Todes. Hier ein typisches Beispiel:
»Nach dem Tod meiner Mutter war ich lange Zeit schwermütig. Ich konnte einfach nicht akzeptieren, dass sie mit nur 50 Jahren so schwer an Krebs sterben musste. Vier lange Jahre nach ihrem Tod hatte ich auf ein Zeichen gehofft - aber nichts geschah. Im Sommer 2004 fuhr ich zu einem Urlaub an die Nordsee. Ich musste auch hier stets an meine Mutter denken, und wie sehr ich sie vermisste. Eines Abends - ich war wieder einmal mutlos und verzweifelt - spürte ich auf einmal die Anwesenheit meiner Mutter. Ich fühlte Wärme und Frieden, und es war, als ob ich mich in einer anderen Welt befände. Meine Mutter übermittelte mir in Gedanken, das Trauern zu beenden. Danach konnte ich meinen Hader endlich loslassen. Es war wie eine innere Wandlung. Wenn ich wieder einmal traurig bin, hilft mir die Erinnerung an dieses Erlebnis.«

Daneben übermitteln die Toten auch akustische Botschaften. Sprachmelodie und Stimme klingen vertraut, und die gegebenen Botschaften sind auf ganz bestimmte Verstorbene zurückzuführen.

Körperliche Zuwendungen über den physischen Tod hinaus werden in Form von sanfter Berührung, Streicheln oder Umarmung wahrgenommen. Die Betroffenen berichten unabhängig voneinander, Berührungen Verstorbener tatsächlich körperlich gespürt zu haben. Sie werden vor allem dann erlebt, wenn vorher ein intimes Verhältnis bestanden hat. Die meisten Verstorbenen bitten vorher um Erlaubnis. Für den Fall, dass Sie eine körperliche Zuwendung als unangenehm empfinden, können Sie den betroffenen Verstorbenen bitten, Sie in Ruhe zu lassen.

Eine junge Frau berichtete mir vom Tod ihres 5-jährigen Sohnes Robert, der durch einen Unfall ums Leben gekommen war. Sie war sehr traurig und konnte oft nicht einschlafen. Eines nachts spürte sie, wie die Hand ihres Sohnes sanft ihre Wange berührte. Sie wusste, dass es Robert war. Die Finger waren weich und glatt, als wäre er bei ihr. Genauso hatte er sie immer mit seinen kleinen Händen gestreichelt. Es war, als wolle Robert ihr mitteilen, es sei alles gut. Nach diesem Erlebnis fühlte sie einen tiefen inneren Frieden.

Nachtodkontakte gehen häufig einher mit Gerüchen, die mit einem bestimmten Menschen assoziiert werden. Typische Düfte sind beispielsweise ein bestimmtes Rasierwasser, Parfums, Blumen oder Tabak. Der spezifische Geruch eines Verstorbenen tritt meistens plötzlich auf und passt nicht zu der Umgebung. Der Raum wird von einem bestimmten Geruch erfüllt, wobei keine genaue Quelle erkennbar ist. Er ist einfach da.

»Ich lag in meinem Bett und musste immer an meinen Mann denken. Ich weinte und war wütend, dass er so früh sterben musste. Plötzlich spürte ich die Anwesenheit von Christian, da ich sein Aftershave roch. Ich weiß gar nicht, woher dieser Geruch kam. Es war ganz bestimmt die Marke, die er immer benutzte. Das ganze Schlafzimmer roch nach ihm. Eigentlich ist das der einzig wesentliche Geruch, mit dem ich Christian in Verbindung bringe. Ich wusste, dass es ein Zeichen von ihm war, und dass er bei mir ist. Ich fühlte mich sehr getröstet, und dieser Kontakt half mir zu glauben, dass ich nie allein bin. Sein Duft lag sehr lange in der Luft. Ich empfand einen sehr tiefen Frieden, wie lange nicht.«

Kontakte mit Verstorbenen im Traum sind intensive und einprägsame Erlebnisse. Sie haben eine völlig andere Qualität als gewöhnliche Träume, in denen Alltagsreste verarbeitet werden. Daher werden sie, auch über längere Zeiträume, nicht vergessen. In diesen Träumen wird oft ein erweiterter Bewusstseinszustand oder sogar eine außerkörperliche Erfahrung erlebt.

Träume von Verstorbenen haben einen hohen Realitätsgehalt. In vielen geschilderten Traumsequenzen treten lebende und verstorbene Personen nebeneinander auf. Der Träumer ist dabei die Person, die als Einziger den Toten wahrnimmt. Er kommuniziert mit dem Abgeschiedenen, während sich die anderen der Anwesenheit nicht bewusst sind. Das nun folgende Beispiel zeigt, dass Verstorbene in unsere gewöhnlichen Träume einbrechen und diese überlagern können:
»Ein paar Tage nach dem Tod meiner Mutter erschien sie mir im Traum. Unsere Familie war im Wohnzimmer versammelt, als ich plötzlich meine Mutter am Fenster stehen sah. Die anderen Familienmitglieder bemerkten offenbar nichts davon. Meine Mutter strahlte über das ganze Gesicht und erzählte mir, dass sie dort, wo sie jetzt ist, für die Blumen zuständig sei. Derartige Blumen und Farben könne ich mir gar nicht vorstellen. Sie teilte mir mit, dass es ihr sehr gut gehe. Sie sei so glücklich, dass sie nicht mehr zurückkommen werde.«

In den Erscheinungen Verstorbener werden diese wie in der besten Zeit ihres Lebens wahrgenommen. Die Toten sind ganz und heil, selbst bei vorangegangenen Behinderungen oder schweren Leiden. Das wird in den Nahtoderlebnissen ähnlich beschrieben.

Erscheinungen von Verstorbenen sind häufig mit Lichtphänomenen verbunden. Ingeborg schilderte mir in einem Brief:
»Drei Wochen nach dem Tod meines Mannes lag ich nachts wach im Bett. Plötzlich nahm eine Fülle von Licht, ähnlich einer riesigen Wolke, die ganze andere Hälfte des Bettes ein. Das Licht war gleißend, und ich wusste, das kann nur mein Mann sein. Ich empfand Frieden, Wärme und Geborgenheit. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber dieses Licht verschmolz mit mir. Ich war so glücklich, wie noch nie in meinem Leben. Dieses Erleben war derart intensiv und von einer solchen überirdischen Liebe geprägt, dass es mir den Eindruck vermittelte, dass sich mein ganzes schweres Leben sich für diesen einen Augenblick gelohnt hatte. Ich weiß jetzt, dass das Licht der Ort ist, in dem wir weiterleben werden.«

Nachtodkontakte mit physikalischen und elektrischen Phänomenen ereignen sich ausgesprochen häufig: Lichter, Fernseher, Radios, Stereoanlagen oder Computer gehen an und aus, obwohl keine natürlichen Ursachen dafür vorliegen, und weisen uns dadurch auf die Gegenwart Verstorbener hin. Selbst schwere Gegenstände werden hin und her bewegt, oder sie verschwinden plötzlich, um an einer völlig unerwarteten Stelle wieder aufzutauchen.

Nachtodkontakte sind Zeichen einer anderen Wirklichkeit, die uns darauf aufmerksam machen, dass die Toten weiterleben und um uns sind. Es ist höchste Zeit, dass wir lernen, offen damit umzugehen und offen darüber zu sprechen.

Alle Bilder: Bernard Jacoby

Portrait Bernard Jakoby Bernard Jakoby, geb. 1957, bekam durch eigene leidvolle Erfahrung die Gewissheit, dass wir ewig leben und Liebe unsterblich ist.
Er gilt heute als der Experte für Sterbeforschung im gesamten deutschsprachigen Raum. Er ist fortlaufend auf Vortragsreise in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Zunehmend arbeitet er auch im Hospizbereich, auf Ärztekongressen und in der Ausbildung von Alten- und Krankenpflegern. Er verfasste mehrere Bücher: »Auch Du lebst ewig«, »Das Leben danach«, »Die Brücke zum Licht«, »Keine Seele geht verloren«, »Geheimnis Sterben«. Sein neuestes Werk "Alles fügt sich" erscheint im September, wieder bei Langen Müller.