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Die hermetische Philosophie - eine alte Weisheitslehre
von Erika Wichmann
Seit meiner Schulzeit habe ich mich für
Philosophie und die unterschiedlichen Religionen interessiert. Die Suche führte mich zur
hermetischen Philosophie. Seither ist mir keine Weisheitslehre mehr begegnet, die die
Spielregeln des Lebens" so umfassend und in sich logisch darstellt.
Die hermetische Philosophie geht zurück auf Hermes Trismegistos d. h. Der
dreimal große Hermes", der ein Weisheitslehrer in Ägypten war. Es wird vermutet,
daß er ein Zeitgenosse Abrahams war und etwa 3000 Jahre vor Christi gelebt hat. Die
Ägypter machten ihn zu einem ihrer Götter und nannten ihn Thot. Seine Lehren wurden
jahrhundertelang nur mündlich von Lippe zu Ohr" weitergegeben.
Durch sie sollen einige östliche Religionen und auch das Christentum entscheidend
beeinflußt worden sein. Anfang dieses Jahrhunderts wurde die Lehre erstmals in den USA
veröffentlicht, von drei unbekannten Verfassern, die sich die drei
Eingeweihten" nannten. Auf Deutsch ist es unter dem Titel Kybalion" im
Akasha-Verlag erschienen.
Die Grundlage bilden die sieben hermetischen Prinzipien:
1. Das Prinzip der Geistigkeit
Das All ist Geist, schöpferischer Geist. Die Erscheinungswelt ist eine geistige
Schöpfung des Alls. Gottes Geist ist in allem. Der Geist selbst ist unerkennbar, kann
aber als das eigentlich Schöpferische verstanden und gedacht werden." Der Geist
erschafft die Materie.
Für das praktische Leben bedeutet es folgendes: Jeder Ereignisverlauf beginnt mit einem
Gedanken. Unsere Gedanken- und Vorstellungskraft ist das Saatgut, aus dem unser Schicksal
erwächst. Das gilt sowohl für bewußte als auch für unbewußte Denkprogramme. Je
konstruktiver unsere Gedanken, Vorstellungen und Worte im Sinne unserer Ziele sind, um so
positiver unterstützen sie ihre Verwirklichung.
Erfolg ist das, was aus dem Saatgut unseres Geistes erfolgt", Zufall ist das,
was mir aufgrund meiner inneren Einstellung zufällt". Das wird aus den
folgenden Prinzipien heraus noch deutlicher.
2. Das Prinzip der Entsprechung
Das Prinzip besagt, daß es zwischen den verschiedenen Ebenen des Seins und Lebens eine
Entsprechung gibt, wie oben, so unten, wie innen, so außen" oder anders
ausgedrückt: Wie im Himmel (Synonym für das nicht Sichtbare), so auf Erden
(Synonym für das Sichtbare)".
Das heißt: Meine äußere Welt spiegelt die innere Welt wider. Wohnung, Freunde, Beruf,
alles, was uns umgibt, sagt auch etwas über unser Inneres aus. Ich ziehe Menschen, Dinge
und Situationen an, die meinem innersten Wesen entsprechen. Erst wenn ich in meinem
Inneren aufräume, kann sich das Äußere verändern. Das gilt nicht nur für die
Gedankenwelt, sondern besonders auch für die Gefühlsmuster.
3. Das Prinzip der Schwingung
Nichts ist in Ruhe, alles bewegt sich, alles ist in Schwingung", so heißt es
im Kybalion. Die hermetische Philosophie lehrt, daß jeder Gedanke, jede Erregung und
jeder geistige Zustand ihre entsprechende Schwingung haben. Der Mensch hat die
Möglichkeit, seinen Geist auf jede beliebige Stufe zu polarisieren und einzuschwingen,
denn unser Gehirn schwingt auch in bestimmten Frequenzen. Ausdrücke wie Wir sind
auf einer Wellenlänge" machen das Prinzip im Alltag deutlich. Jeder kann nur das
anziehen, was seiner derzeitigen Schwingung entspricht. So wie ich mit meinem UKW
Radio keine Mittelwelle empfangen kann, so zieht ein pessimistischer Mensch auch keine
positiven Ereignisse an. Unsere Gefühle haben bestimmte Schwingungen, wobei die
positiven, aufbauenden Gefühle wie Liebe, Hoffnung, Frieden oder Harmonie eine höhere
Schwingung haben, als Haß, Neid, Eifersucht oder Wut. Je höher unsere Schwingungen sind,
desto weniger können die niederen uns beeinflussen.
4. Das Prinzip der Polarität
Das vierte hermetische Prinzip besagt: Alles ist zwiefach, alles hat zwei Pole,
alles hat ein Paar von Gegensätzen; gleich und ungleich ist dasselbe; Gegenstände sind
identisch in der Natur, nur verschieden im Grad; Extreme berühren sich; alle Wahrheiten
sind nur halbe Wahrheiten; alle Widersprüche können miteinander in Eintracht gebracht
werden."
Viele Gegenstände, Eigenschaften, Fähigkeiten, Bewertungen werden uns im Leben als ein
Paar von Gegensätzen bewußt, z. B. Tag-Nacht, Ebbe-Flut, hell-dunkel, Liebe-Haß,
kalt-warm, usw.. Wir gehen davon aus, daß das eine das andere ausschließt und meinen
oft, wenn wir für das eine sind, müssen wir uns gegen das andere entscheiden. Das führt
zu einem Denken des Entweder-Oder. Aber wo fängt die Kälte an und wo die Wärme? Beides
sind nur Pole ein und derselben Sache der Temperatur. Bei Dingen wie Ebbe und Flut,
Ein- und Ausatmen wird uns schnell bewußt, daß es zwei Pole sind, die nur gemeinsam
existieren, auch wenn sie unter den Gesetzen von Raum und Zeit nur hintereinander
ablaufen. Die Polarität der Welt zu begreifen führt dann letztendlich zum Denken des
Sowohl-Als-Auch.
5. Das Prinzip des Rhythmus
Alles fließt aus und ein, alles hat seine Gezeiten, alle Dinge steigen und fallen,
das Schwingen des Pendels zeigt sich in allem; das Maß des Schwunges nach rechts ist das
Maß des Schwunges nach links; Rhythmus kompensiert."
Zwischen den Polen schwingt alles in einem bestimmten Rhythmus. Es gibt immer eine Aktion
und eine Reaktion, auf Tag folgt Nacht, auf Ebbe die Flut und die Jahreszeiten laufen auch
rhythmisch ab. Es gibt im Leben immer wieder Tiefen und Höhen, Erfolge und Mißerfolge.
Das einzige, was wir verändern können, ist unsere Haltung. Es kommt darauf an, wie wir
den Situationen begegnen, ob wir z. B. Fehlschläge als Hinweise auf bessere
Möglichkeiten sehen oder als Katastrophe.
6. Das Prinzip von Ursache und Wirkung
Jede Ursache hat ihre Wirkung, jede Wirkung ihre Ursache; alles geschieht
gesetzmäßig, Zufall ist nur ein Name für ein unbekanntes Gesetz. Es gibt viele Ebenen
der Ursächlichkeit, aber nichts entgeht dem Gesetz."
Als Zufall bezeichnen wir Geschehnisse, deren Ursache wir nicht kennen. Meist aber haben
wir uns zuvor geistig schon auf den Weg begeben, auf dem uns dann gerade die Bücher,
Menschen oder Informationen begegnen, die wir gerade brauchen, um weiterzukommen.
Wichtiger als die Ursachenforschung, ist daher die Zielsetzung, das zielgerichtete Denken
und Handeln.
7. Das Prinzip des Geschlechts
Geschlecht ist in allem, alles hat männliche und weibliche Prinzipien, Geschlecht
offenbart sich auf allen Ebenen."
Das männliche und weibliche Prinzip findet sich in allem. Damit ist nicht die Sexualität
gemeint. Dem männlichen Prinzip z. B. sind die Aktivität, die Yang-Energie, die Sonne,
der Verstand, die rechte Körperhälfte zugeordnet, dem weiblichen Prinzip dagegen die
Passivität, Intuition, die Yin-Energie, der Mond, die linke Körperhälfte. Männer und
Frauen haben beide Potentiale in sich und nur durch das kreative Zusammentreffen von
weiblichem und männlichem Prinzip können wir schöpferisch tätig werden.
Das Studium und die Anwendung dieser Prinzipien öffnet die Augen für die
Spielregeln des Lebens." Im Kybalion heißt es dazu: Die Masse der
Menschen lassen sich tragen, sie gehorchen ihrer Umgebung, dem Willen und den Wünschen
anderer, die stärker sind als sie, den Auswirkungen ererbter Tendenzen, den
Einflüsterungen anderer und anderer äußeren Ursachen, die sie wie Figuren auf dem
Schachbrett des Lebens hin- und herschieben." Die fortgeschrittenen Hermetiker werden
Spieler statt Figuren. Sie unterliegen natürlich auch diesen Prinzipien, aber der
Weise macht sich das Gesetz zu eigen, und indem er seine Bewegungen versteht, bedient er
sich seiner, anstatt sein Sklave zu sein."
Erika Wichmann, REIKI-Lehrerin, Tel.: 04193/2743 |
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