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Die Finca El Morro
eine Insel auf der Insel ...
Von Beate Wiemers

Als Ernst Schmidt vor rund zwanzig Jahren die etwa 2,5 ha große ehemalige Herrenresidenz „Finca El Morro" auf einem Plateau im Nordwesten von La Palma kaufte, befanden sich lediglich einige verfallene Ruinen auf dem damals noch kargen Grundstück. Einst war der Nordwesten von La Palma von hier aus regiert worden. In den zurückliegenden achzehn Jahren vor dem Erwerb durch Ernst Schmidt hatte sich aber niemand um das Anwesen gekümmert. Doch die mystische Atmosphäre des Ortes hatte den in Aurich, Ostfriesland, geborenen Visionär gleich in ihren Bann gezogen.
Ernst Schmidt hatte zu dem Zeitpunkt bereits ein bewegtes Leben hinter sich, steckte aber immer noch voller Tatendrang. Zwölf Jahre bei der Marine hatten ihn als jungen Mann Grundlagen der Persönlichkeitsentwicklung gelehrt, darunter Flexibilität und Kreativität als wichtige Säulen seiner Lebensphilosophie.
Auf Lebensphasen auf Teneriffa und in Asien folgte ein zehnjähriger Aufenthalt in der Schweiz. Tätigkeiten im Tourismusbereich und Erfahrungen mit einem Reitstall mit Pferden und Eseln waren Stationen auf seinem Weg, bevor sich der Selfmade-Man entschloss, sich auf La Palma niederzulassen. Sein großes Interesse an Naturwissenschaften und sein Wunsch, einen heilsamen Ort zu schaffen, gaben ihm Kraft und Ausdauer für den Aus- und Umbau der Finca.
Bevor er mit seiner ersten Frau und zwei Kindern selbst auf die Finca umsiedelte, waren allerdings vier Jahre der Vorbereitung nötig, um überhaupt halbwegs akzeptable Wohnbedingungen für die Familie zu schaffen. Eine Dusche, ein Schlafzimmer für die Erwachsenen und die Kinder und eine Küche mussten zuerst umgesetzt werden. Da kam es oft auf's Improvisieren an. Wenn Ernst Schmidt heute rückblickend sagt: „Manchmal findet man das Heil in der Selbstbeschränkung eher als in der Ausweitung", dann weiß er, wovon er spricht. „Als wir hier damals ankamen, wimmelte es von Raben. Merkwürdigerweise kamen mit jeder Ausbauphase immer weniger von ihnen", erinnert sich Ernst Schmidt.
Als die Familie vor Ort war, gab es jede Menge Aufbauarbeit. Wechselfälle des Lebens, darunter krankheitsbedingte Unterbrechungen und die Trennung von der Ehefrau, erschwerten den Prozess zusätzlich.
Es war eine schwierige Phase, die Ernst Schmidt aber als Herausforderung betrachtete – wie alles in seinem Leben. Auf Anraten seiner Tochter Corinna Deborah, Medizinstudentin, konsultierte Ernst seinerzeit einen Schamanen, der seine Dienste auf Teneriffa anbot. Die Prognosen dieses Heilers stimmten ihn wieder optimistisch:
Er würde wieder genesen und eine neue Frau, die Liebe seines Lebens, kennen lernen. Und so kam es auch.
Nach überwundener Krankheit ging es ab dem Jahre 2000 wieder bergauf, als die auf La Palma geborene Rosa als neue Lebensgefährtin und künftige „Seele der Finca El Morro" auf der Bildfläche erschien.
Anschließend ging es mit dem Ausbau der Finca zu einem hervorragend ausgestatteten Seminarzentrum voran, das sich über die Jahre zu einem gefragten Refugium für Workshops, Seminare und Fortbildungen aus dem Bereich Selbsterfahrung und Bewusstseinsarbeit im engeren und weiteren Sinne entwickelte.
Gruppen vorwiegend aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien und den Niederlanden waren inzwischen auf der Finca El Morro zu Gast: Qi Gong, Heilmassagen, Wanderwochen, Familienaufstellungen, Yogaferien – alles, was heilsam wirken kann, spiegelt seither das Veranstaltungsprogramm wieder.
Ein großer Veranstaltungsraum mit acht Massageliegen, Trommeln und einem DJ-Mischpult, eine Sauna, ein Swimming-Pool, ein Fitnessraum und dreizehn gemütlich eingerichtete Appartements/Studios, die insgesamt dreizig Personen beherbergen können, stehen zur Verfügung.
International gefragte Referenten, darunter auch der Ethno-Botaniker Wolf-Dieter Storl, sowie einige Rinpoches lernten die Finca El Morro in den letzten Jahren als kraftvollen und heilsamen Ort kennen und schätzen. Immer wieder fühlten sich Menschen seither von diesem Ort angezogen. Rinpoche Tulkula Tupwangchen aus Tibet stellte bei seinem Besuch fest „Wenn wir jetzt in Tibet wären, würden wir hier sofort ein Kloster bauen!"
Das Wasser auf der Finca stammt aus einem Galeriestollen, der 3.800 m in den Berg getrieben wurde und unterhalb des Roque de las Muchachos, dem höchsten Berg der Insel, in eine Quelle mündet. Über eigene Anteile bekommt die Finca aus der Galerie zehn Liter Wasser pro Minute. Wie eine Untersuchung in einem Speziallabor in Würzburg ergab, weist das Wasser allerbeste Qualitätsmerkmale auf. Es gab sogar schon die Überlegung, das sehr weiche Wasser als Heilquellwasser anzubieten.
Finca Tigotan
Immer mehr Menschen sehen sich wieder nach einem natürlicheren, stressfreieren Leben im Einklang mit der Natur. In den letzten Jahrzehnten entstanden vielerorts bereits alternative Lebensgemeinschaften und Ökodörfer auf der Grundlage weitgehender Selbstversorgung. Ein neues Bewusstsein und die Erkenntnis, dass Fortschrittswahn und ein rein profitorientierter Wachstumszwang – trotz vieler technischer Errungenschaften – zur Entfremdung zwischen Mensch und Natur geführt haben, setzt sich mehr und mehr durch.
Die Zeichen der Zeit erkennend entschloss sich Ernst Schmidt, eine weitere Finca zu erwerben – die Finca Tigotan. Dabei handelt es sich um eine von der Natur perfekt ausgeformte Landschaft. Sie bildet ein Verbindungsglied zwischen dem weiten Atlantik und dem Himmel, der sich über La Palma ausbreitet – ein regelrechter „Schoß Gottes". Durch den mittleren Teil der Finca Tigotan zieht sich der Barranco mit seinen fruchtbaren Terrassen und bildet ein natürliches Amphitheater, das von einem daneben liegendem Plateau beherrscht wird. Weit ab vom Getümmel der Welt ist hier Stille zu erleben und zu genießen. Die Finca Tigotan hat das Potenzial, Menschen ein Refugium der Rückbesinnung auf die Natur und sich selbst zu bieten. Sauberes Wasser, frische Luft und Ruhe, fruchtbare Erde und ein Klima, das beste Voraussetzungen für den Anbau von Pflanzen bietet, sind Ressourcen, die künftig immer wichtiger werden.
Geplant ist, hier einen Ort entstehen zu lassen, an dem Menschen mittels ihrer Kreativität, mit Pioniergeist und Kenntnissen eine ökologisch orientierte Gemeinschaft bilden, die sich organisch in die Landschaft einbettet. Landschaftsplaner, alternativ orientierte Architekten, Experten für erneuerbare Energien, Therapeuten, kurz alle, die sich einbringen möchten, sind willkommen. Es sind Erdhügelhäuser, Holzhäuschen, berankte Stellplätze für Caravane, ein kleiner selbstverwalteter Supermarkt, Grillplätze, Biotope, ein großer Pool sowie ein Gemeinschaftshaus für kulturelle und andere Veranstaltungen angedacht. Ebenfalls benötigt Tigotan einen großen Trinkwasser- und Bewässerungstank und eine Kläranlage. In der späteren Verwendung kann auch über einen Wellnessbereich und über einen Kurbetrieb für Stresserkrankungen nachgedacht werden.
Die Finca Tigotan umfasst 130.000 Quadratmeter mit einem Pinienwaldanteil. Es können Wanderwege und umfangreiche Gemüse-, Kräuter und Obstgärten angelegt werden. Es bestehen darüber hinaus ideale Voraussetzungen für Permakultur.
Der Preis für das Land, auf dem sich derzeit fünf baufällige Häuser befinden, wird vergleichsweise zu dem im Allgemeinen recht teuren touristischen Bauland auf La Palma, günstig sein. Die Finanzierung des Projekts soll durch die sich zu bildende alternative Lebensgemeinschaft über Partizipationsscheine erfolgen. Auch über Fördergelder für alternative Lebensprojekte aus Töpfen der EU oder Umweltstiftungen wird nachgedacht. Ernst Schmidt ist sich sicher, dass diese Idee auf buchstäblich fruchtbaren Boden fällt und blickt zuversichtlich auf die nächsten Schritte der Realisierung.
Lebensgemeinschaft 50plus
Auch für die Finca El Morro gibt es neue Pläne. Schrittweise soll der Seminarbetrieb mittelfristig reduziert werden, um einen fließenden Wechsel in Richtung einer Lebensgemeinschaft 50plus zu bilden, die sich speziell an Menschen im Alter von etwa 50 bis 60 Jahren wendet, die Freude am Mitgestalten haben und sich auf dem Weg des Älterwerdens durch unterschiedliche Wissens- und Bildungsstände untereinander ergänzen. Allen gemeinsam sollte idealerweise das Anliegen sein, gemeinschaftlich einer naturnahen Lebensweise in gegenseitiger Wertschätzung Zeit und Raum zu geben.
Die Rahmenbedingungen für eine solche Lebensgemeinschaft in einer Größenordnung von etwa fünfzehn Personen sind auf der Finca El Morro ideal.
Weitgehende Selbstversorgung ist auf der Grundlage biologisch-dynamischen Anbaus möglich. Schon jetzt stehen Mangos, Avocados, Zitronen, Orangen, Feigen und viele andere Naturköstlichkeiten in Fülle zur Verfügung.
Die Gruppe würde dabei von der vorhandenen Infrastruktur profitieren und dem Umstand, dass die Finca El Morro aktuell noch ein bestausgestattetes Seminarzentrum ist, das nun seinen Übergang in die selbstverwaltete Gemeinschaft finden soll. Die Anbindung an die Natur, die Ruhe und das Klima sind beste Voraussetzungen für Wohlbefinden und Gesundheit. Die angestrebte Finanzierungsform des dauerhaften Aufenthaltes in der Lebensgemeinschaft 50plus dürfte vergleichsweise erschwinglich sein.
La Palma gilt nach einer Erhebung der UNESCO als die drittschönste Insel der Welt nach Bora Bora und Hawaii. Die Insel ist 45 km lang und 28 km breit. Von der Oberfläche 706 qkm sind ungefähr 42 Prozent bewaldet. Die mittleren Temperaturen liegen bei 15°C im Winter und 27°C im Sommer.
La Palma ist zudem die wasserreichste der kanarischen Inseln.
Fotos: Beate Wiemers
Beate Wiemers,
49, lebt in Bremen.
Sie ist Biologisch-Technische Assistentin, Jin Shin Jyutsu-Selbsthilfelehrerin und seit 1998 freie Journalistin mit den Themenschwerpunkten Alternativmedizin, Ernährung, Gesundheit, Ökologie, Kultur und Gesellschaft, Psychologie und Pädagogik.
www.beate-wiemers.de
www.la-palma-seminar.com
www.la-palma-lebensgemeinschaft50plus.com
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