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Traditionelle Chinesische Medizin

Qigong-Energie, Ausgeglichenheit und Klarheit durch die Harmonisierung und Belebung der drei Dantian und der drei Schätze
Von Thore G. Sauerland

portrait sauerland
Es gibt Tausende von Qigong-Systemen. Die meisten Qigong-Formen sind im letzten Jahrhundert aus alten daoistischen und buddhistischen Systemen entwickelt worden.
Ziel des Qigong ist es, vor allem durch bestimmte Körperbewegungen in Verbindung mit Atmung und Visualisierung, die Gesundheit zu erhalten, Stress abzubauen, den Geist zu beruhigen und den Körper zu entspannen.

Historisch wurden Begriffe wie Daoyin (Führen und Ziehen), Xingqi (Qi führen), Tuna (Aus- und Einatmung) sowie Zuowang (Sitzen und Vergessen) verwendet.

Im indischen Yoga-System wird in der Regel von sieben Hauptenergiezentren (Chakren) ausgegangen, die entlang der Wirbelsäule angeordnet sind.

Im Qigong liegt der Fokus auf den drei Energiezentren, den Dantian (??) und den drei Schätzen (san bao ??).

Dantian (??) bedeutet Zinnober- oder Elixier-Feld. Dan bedeutet Zinnober oder Elixier und Tian bedeutet Reisfeld, bzw. Feld.

Es gibt den unteren, mittleren und oberen Dantian.
Die drei Schätze (sanbao ??) sind

• Jing (?) - die Essenz
• Qi (?) - die Lebensenergie
• Shen (?) - die geistige Energie

Sie werden auch als die drei Ursprünge oder die drei Wurzeln (sanyuan ??) bezeichnet, da sie als der Ursprung, die Wurzeln des Lebens betrachtet werden.

Laozi nennt die drei Schätze im 42. Kapitel des DaoDeJing:
„Aus dem Dao geht die Eins hervor (Wuji). Die Eins bringt die Zwei hervor (Taiji). Aus der Zwei entstehen die Drei (Sanbao). Aus diesen drei Schätzen entstehen alle Lebewesen und Dinge der scheinbaren Welt.“

Unterer Dantian und Jing
Der untere Dantian (Xia Dantian ???) befindet sich etwa drei Finger breit unter dem Bauchnabel. Er ist primär ein Speicher für Energie und Vitalität. Der untere Dantian ist vergleichbar mit dem Manipura- oder Sonnen-Chakra im Yoga-System.
Dem unteren Dantian ist der erste der drei Schätze (san bao) Jing (?), die Essenz, zugeordnet. Jing ist der feinste, ursprünglichste Teil in allen Dingen. Das Jing wird in den Nieren und im unteren Dantian gespeichert.  Das Jing wird uns von unseren Eltern mitgegeben und nimmt etwa bis zum fünfundzwanzigesten  Lebensjahr zu. Dann nimmt es wieder ab. Ist das Jing aufgebraucht, stirbt man.

Übungen, wie beispielsweise Qigong oder Yoga, ein gesunder und ausgeglichener Lebensstil, gute Ernährung sowie ergänzend Kräutermedizin, Akupunktur und ähnliches,  helfen, das Schwinden des Jing zu verlangsamen. Theoretisch ist es möglich durch tiefes und andauerndes Üben fortgeschrittener Techniken das Jing wieder aufzufüllen.
Jing als Manifestation des Yin-Prinzips verbindet den Menschen zur Erde. Es steht für Form und ist die Basis für die Generierung von Qi.
Normalerweise hat Jing die Tendenz, nach unten zu fließen. Durch Qigong und Meditation kann die Richtung umgekehrt werden, so dass Jing nach oben steigt und sich zu Qi transformieren kann. Jing ist vergleichbar mit dem Ojas im Ayurveda.

Mittlerer Dantian und Qi
Der mittlere Dantian (Zhong Dantian ???) befindet sich in der Mitte der Brust im Herzbereich. Er steht im Zusammenhang mit den Emotionen, Liebe und Mitgefühl. Der mittlere Dantian ist vergleichbar mit dem Anahata- oder Herz-Chakra im Yoga-System. Ihm ist Qi (?) zugeordnet.
Qi ist die Lebensenergie und wird in Sanskrit als Prana und im Japanischen als Ki bezeichnet. Die alten Griechen nannten es Pneuma.
Qi ist die Verbindung zwischen Körper und Geist. Es ist sowohl neutral als auch das Ganze. Qi umfasst Materie und Energie und verbindet diese miteinander. Qi steht mit dem Menschen in Verbindung, der wiederum zwischen Erde und Himmel steht. Qi fließt durch die Meridiane aller Organe. Es hält den Körper lebendig und ist vergleichbar mit der Elektrizität, die durch eine Maschine fließt und diese antreibt.
Wird der Fluss des Qi unterbrochen, bilden sich Ablagerungen und Blockaden. Wenn diese nicht gelöst werden, führen sie zu Krankheiten. Qigong hält den Fluss von Qi aufrecht und löst Blockaden. Außerdem hilft es bei der Speicherung von Qi.
Qi entsteht einerseits aus dem Jing, das wir von unseren Eltern bekommen haben, andererseits aus der Nahrung, die wir aufnehmen und aus der Luft, die wir atmen.

Oberer Dantian und Shen
Der obere Dantian (Shang Dantian ???) befindet sich im Bereich über der Nasenwurzel zwischen den Augenbrauen. Er wird auch als drittes Auge bezeichnet. Er ist vergleichbar mit dem Ajna- oder Drittes Auge-Chakra. Der obere Dantian steht im Zusammenhang mit der geistigen Energie Shen (?). Shen als Manifestation des Yang-Prinzips verbindet den Menschen mit dem Himmel. Shen ist verbunden mit Licht und Bewusstsein.
Das Shen wird vor allem durch Meditation kultiviert. Es verringert sich durch ein zu großes Ego und exzessives Suchen in der materialistischen Außenwelt. Gutes Shen zeigt sich durch ein Funkeln in den Augen. Das Shen wird durch Qi genährt.

Analog zu den drei Dantian-Energiezentren und den drei Schätzen bestehen Qigong-Übungen in der Regel aus drei Komponenten:

• Bewegung (Körper)
• Atmung (Qi)
• Vorstellung / Visualisierung (Geist)

Durch die Vereinigung dieser drei Teile wird Qigong zur bewegten Meditation.
Die Qigong-Übungen haben vor allem das Ziel, einerseits Jing, Qi und Shen zu sammeln, zu speichern und zu transformieren (Umwandlung von Jing zu Qi, von Qi zu Shen und von Shen zur Leere), und andererseits die drei Dantian ins Gleichgewicht zu bringen. Denn, wenn die drei Energiezentren beim Menschen unterschiedlich entwickelt sind, kann es zu Problemen kommen, wie die folgenden Beispiele veranschaulichen:

Imbalancen in den Dantian-Energiezentren

  • Starker oberer Dantian, schwacher mittlerer Dantian
    Dies entspricht einer Person, die zwar sehr intelligent ist, die aber in Herzensangelegenheiten Blockaden hat und sich beispielsweise abgelehnt oder einsam fühlt,
  • Starker oberer Dantian, schwacher unterer Dantian
    Dies entspricht einer Person, die zwar in ihrem Geist tolle Ideen entwickelt, aber nicht genügend ‚Drive‘ hat, sie umzusetzen.
  • Starker mittlerer Dantian, schwacher oberer Dantian
    Dies ist jemand, der zwar ein großes Herz hat und anderen helfen möchte, aber in der Art und Weise seiner Hilfe letztendlich dem anderen einen Bärendienst erweist.
  • Starker mittlerer Dantian, schwacher unterer Dantian
    Eine stark mitfühlende Person, die sich ausnutzen lässt, da sie nicht genügend Durchsetzungsvermögen hat.
  • Starker unterer Dantian, schwacher oberer Dantian
    Dies ist jemand voller Energie und Tatendrang, der aber vorschnell Dinge umsetzt, ohne vorher darüber nachzudenken und so Fehler macht.
  • Starker unterer Dantian, schwacher mittlerer Dantian
    Dies entspricht jemandem mit viel Kraft und Energie, der aber kein Mitgefühl für seine Mitmenschen hat und kaltblütig gegenüber anderen handelt.

Qigong-Übungen helfen die drei Dantian Energiezentren mit Jing-, Qi- und Shen-Energie aufzufüllen und zu aktivieren und sie in Harmonie miteinander zu bringen.
So können wir unser Leben voller Vitalität und Energie, emotionaler Ausgeglichenheit, Weisheit und mit klarem Geist führen. Das Ziel ist der dauerhafte Erhalt einer dynamischen Balance.

Folgend nun eine kleine, einfache Qigong-Übung, die an fast jedem Ort ausgeführt werden kann.

Qigong-Übung Schütteln

1. Startposition

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• Füße schulterweit auseinander, Zehen leicht nach innen
• Knie sind leicht gebeugt, Schultern entspannt, Steißbein sinken lassen, Kinn leicht gesenkt
• Gelenke und Muskeln sind entspannt
• leichtes Lächeln im Gesicht
• Vorstellung, dass die Poren der Haut geöffnet sind

2. Schütteln

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• Die Bewegung geht von der Körpermitte aus.
• Durch das Beugen der Knie schüttelt sich der Körper leicht.
• Die Arme hängen wie Seile an den Schultern.
• drei bis sieben Minuten schütteln

3. Schlussposition

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• Langsam zur Ruhe kommen.
• Die Hände übereinander auf Höhe des Bauchnabels legen (Frauen linke Hand oben, Männer rechte Hand oben).
• Die Augen schließen und Still stehen
• Das Qi spüren (Wärme, leichtes Kribbeln), wie es sich im Körper verteilt.
• Optional Vorstellung, dass man im goldenen Licht duscht; das Licht wäscht dunkle Blockaden in die Erde weg.

Diese Übung kann jederzeit zum Stärken und Harmonisieren durchgeführt werden.

Heilsame Wirkungen: Lösen von Energie und muskulären Blockaden, Gelenke bleiben beweglich, Entgiftung des Körpers.

Thore G. Sauerland
lebt in Hamburg und unterrichtet Yoga und Qigong. Erste Kontakte mit Qigong machte er während seines zweijährigen Taiwan-Aufenthalts. Neben Unterricht in der daoistischen Drachentor-Schule (LongMenPai) lernt er seit einigen Jahren bei dem Qigong-Meister und Heiler Robert Peng.                           
www.robertpenggermany.com

Fotos: Thore Sauerland