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Das eigene Drama erkennen

Bei der unter die Haut gehenden Weltpremiere des „Lebenstheaters“ im Berliner „Kleinen Theater“ ist der Zuschauer der Hauptdarsteller – Die neue Stand-up-Comedy zeigt eine neue Sichtweise von Emotional-Entgleisungen und ihren positiven Umgang damit
Von Ingomar Schwelz
„Wir haben vor nichts mehr Angst als vor unseren Emotionen“, sagt die elegante, groß gewachsene Frau. Dann fordert Elisa Dorandt die Zuschauer des „Kleinen Theaters“ auf, ihre Lebensdramen auf der Bühne zu zeigen. Dort wo sonst die traditionellen Epen der Literaturgeschichte aufgeführt werden, zeigen und erkennen an diesem Abend die Zuschauer ihre eigenen Verstrickungen vom Leben. Bei der Berliner Weltpremiere des „Lebenstheaters“ gibt es keine Schauspieler; aufgeführt wird das eigene Lebensdrama.
„Verdrängte Emotionen schneiden uns von unserem Leben ab – es ist der „Emotionale Müll“, der letztendlich unzufrieden, unglücklich und krank macht“, sagt Elisa Dorandt sehr deutlich. Die Kölnerin bezeichnet sich als Emotional Mediatorin, die den Menschen zeigt, wie sie mit ihren verdrängten Gefühlen bewusster und sinnvoller umgehen können.
Jahrelang erfüllte die in den Medien bekannt gewordene tempramentvolle Frau lebensbedrohlich erkrankten Kindern mit großem Erfolg Herzenswünsche. Später erlangte sie durch den Bestseller von Eva Sanders „Ich hatte Krebs und wurde gesund“ Aufmerksamkeit – und weil sie schwerkranken Menschen über die von ihr entwickelte „Emotionalmedikation“ wieder Leben einhauchte. 2007 gründete sie die Elisa-Dorandt-Stiftung „der Mensch“ in der sie aufklärt und neue Lebensperspektiven aufzeigt.
Jetzt bietet sie über ihre Stiftung das so genannte „Lebenstheater“ an, in dem nur Zuschauer die Hauptrollen spielen. Bei der Premiere der Stand-up-Comedien Elisa Dorandt erzählen vom frisch verliebten Paar bis zur nach neuer Orientierung suchenden 50jährigen Managerin ganz „normale Menschen“ von ihren Er- und Beziehungsproblemen, Krankheiten und ihren alltäglichen Sorgen. Weil viele mit den dabei entstehenden Gefühlen nicht richtig umgehen können, erinnert Dorandt an die in jedem schlummernde Schöpferkraft. Sie weist darauf hin, dass der Mensch ein Leben lang von seinem „Emotionalen Müll“ dirigiert wird und Angst die Regie im Leben führt. Um dem angestauten Psycho-Müll nicht länger unbewusst ausgeliefert zu sein, zeigt Dorandt den Zuschauern einfühlsam aber deutlich, dass Emotionen wie Ärger, Hass, Neid, Frust oder Lebenskrisen und Krankheiten wie Krebs immer bei sich selbst erkannt und bearbeitet werden müssen.
„Der andere ist immer nur der Auslöser unserer Emotionen, das Gefühl ist meines. Die nicht erlösten Datenbänke der unbearbeiteten Probleme, die sich oft ein Leben lang aufgestaut haben, gehen in Resonanz mit den äußeren Umständen. So schlagen wir nur allzu oft aggressiv zurück, wenn wir uns von jemandem angegriffen oder verletzt fühlen“, sagt sie. „Wir sollten Schuld wie negative Empfindungen nicht länger auf andere projizieren, sondern die Emotion bei uns selbst klären.“ Fühlen allein reiche dabei nicht aus, vielmehr müsse das Gefühl bewusst erlebt werden.
Wer seinen Müll und Frust an anderen auslässt, dem setzt sie die Narrenkappe auf. „Keine Rache zahlt sich aus“, sagt Dorandt. Der Sinn des Lebenstheaters ist, dass jeder auf der Bühne und im Zuschauerraum erkennt, dass jede Emotion in seinem eigenen Körper entsteht.
So ist ein verliebtes Paar überrascht, dass in der Liebe die Emotionen gegenseitig genutzt und geklärt werden können. Wir brauchen den anderen, um an unsere Emotionen heranzukommen, sagt Dorandt. Ein Zündholz brauche eben eine Reibefläche um sich zu entzünden.
Eine junge Mutter, die ihr Leben bereits für ihr sieben monatiges Baby aufgegeben hat, erfährt staunend, dass ihr auf der Bühne krabbelndes Kind ein eigenes Recht auf Emotionen hat und sie sich mit ihrer mütterlichen Fürsorge zurücknehmen soll. „Sie müssen alles für sich tun“, fordert Dorandt die Mutter auf. „Geben sie ihrem Kind nur eine klare Ordnung. Denn jedes Kind braucht von Anbeginn eine klare Ordnung für die emotionale Balance“.
Aktuelle Themen wie Arbeitslosigkeit, Existenzangst, ganz persönliche Lebenskrisen sowie Jugendgewalt und Emotionale Entgleisungen werden von der Stand-up-Comedien ins rechte Licht gerückt und beantwortet.
Für Dorandt erlebt heute jeder täglich die großen Dramen der Welt – ohne eine Lösung. „An sich ist nichts weder gut noch böse oder falsch oder richtig – das Denken macht es erst dazu. Alle, selbst die Großen der Welt verwechselten das Leben mit „leben“. Auch die modernen Märchen wie Matrix, Bleep, Avatar, Traumfänger produzieren nur noch mehr Emo- Müll und bieten uns keine Lösung an.“
„In diesem Lebenstheater geht es darum“, so die Mediatorin, „dass die Emotionalen Dramen unseres Lebens erkannt und aufgelöst werden können. Wir brauchen keinen Faust oder Hamlet mehr, wir erleben täglich unsere eigene Geschichte. Das Reality-Event zeigt auf, was jeder für ein Theater von seinem Leben macht und warum er leidet.“ Und sie fragt nach: „Wollen Sie weiter funktionieren, kämpfen, unter Schmerz, Verletzung, Schuldzuweisung leiden oder die Hauptrolle für Ihr Leben übernehmen und zugleich Regie führen?“
Mit ihrer direkten Art will sie Menschen wieder in ihre Lebendigkeit führen. Menschen erkennen so ihr Emotionales Konfliktpotential und erhalten neue Lösungsansätze. Für Dorandt sind die Emotionalen Entgleisungen das Gefährlichste der heutigen Zeit. Denn der Mensch gleicht mit seiner „atomaren Masse einer Atombombe, die jederzeit entgleisen oder krank machen kann“. Finanz- und Umweltkrisen, Schönreden, Positiv-Denken, Alkohol, Drogen oder Medikamente, hätten nichts erlöst. „Auch die Wissenschaft, Hightech-Medizin und Psychologie geben uns kein lebenswertes Angebot. Sie sind selbst mit Ihrem Latein am Ende und wir sind ängstlich, depressiv, kranker denn je. Unsere mit Krisen beladene Zeit, die vielen persönlichen und globalen Herausforderungen sind weder mit Geld, Politik, Technik noch mit Kriegen lösbar, denn die Ursache für den globalen Kollaps ist nur der verdrängte Emo-Müll in den Menschen“.
Wer Ängste hat oder unter Mobbing, Erfolglosigkeit oder Übergewicht leidet – das neue „Reality-Theater“ bietet eine ganz neue Sichtweise als Aufklärung für das eigene Lebensdrama. „Hier geht Ihnen ein L-ICH-T auf und Sie erleben die ganz persönliche Selbsterkenntnis“, verspricht Elisa Dorandt selbstbewusst. Die Frage ist: Wie gehen wir mit den Hiobsbotschaften der Medien um? Afghanistan, Irak, Kachelmann, Sarrazin – oder aktuelle Emotional Entgleisungen im politischen Kasperletheater und deren Auswirkungen bekommen eine neue Sichtweise.
In diesem Aufklärungs-Event „Lebenstheater“ kann der Zuschauer selbst wählen, ob er als Hauptdarsteller mitmachen und endlich Regie in seinem Leben führen oder wie gewohnt die Statistenrolle weiter spielen will. „Nur wer emotionale Balance erlangt und zeigt, was ihn wirklich bewegt, kann seine inneren Knoten lösen und wieder ins Leben kommen“. Jedes Thema, alles was den Zuschauer persönlich beschäftigt oder plagt, erscheint im Lebenstheater in einem völlig neuen Licht und wird nicht wie bisher als Problem diskutiert oder analysiert.
„Letztendlich“, betont Elisa Dorandt, „geht es um die Erfüllung der Sehnsucht nach dem Sinn des Lebens.“
Fotos: RuF
Die Reportage- und Feature Agentur RuF
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Kontakt zum Autor: i.schwelz@web.de
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