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Der magische Alltag
Rituale und Zauberrezepte
Der folgende Text ist ein Auszug aus dem aktuellen, gleichnamigen Buch von Luisa Francia. Wir haben uns für einzelne Abschnitte aus dem Kapitel:
Überlebenszauber - Alltagsrituale entschieden, da dort viele hilfreiche Rituale für Lebenssituationen vorgestellt werden, die Jeder in irgendeiner Form in seinem Leben schon erlebt hat.
Vielen Dank an Frau Francia und den Nymphenburger Verlag für die Genehmigung zum Abdruck.

Eine Wohnung / etwas gewünschtes finden
Für das Finden einer Wohnung/eines Hauses hat sich die »magische Karte« bewährt. Darauf wird gezeichnet, geschrieben, in Symbolen beschrieben, was gesucht wird. Dabei ist wichtig, das Gefühl mit in die Beschreibung/Zeichnung aufzunehmen, das man dort haben will, also z.B.: »Ich möchte mich in einer hellen Vierzimmerwohnung mit Südbalkon mitten in der Stadt wohlfühlen.« Oder: »Kleines gemütliches Haus auf dem Land mit Garten und netten NachbarInnen.«
Diese magische Karte wird nach Anfertigung entweder am Körper so lange getragen, bis das Objekt gefunden ist, oder in den AhnInnentopf gelegt.
Einen neuen Lebensbereich einweihen
Natürlich kann man einfach einziehen und den Stress langsam abklingen lassen. Doch kann das gute Ankommen durchaus gefördert werden. Bevor alle Dinge des Lebens in den neuen Lebensraum wandern, ist es schön, sich im leeren Raum mit der Energie des Ortes vertraut zu machen, auf Geräusche, eventuelle Tierstimmen, Wind, Sonne, Regen usw. zu achten, alles wahrzunehmen und anzukommen.
Dann kann mit Salbei oder Wacholder geräuchert werden. Salbei reinigt die Atmosphäre, Wacholder stellt die Verbindung zu den Geistwesen, zu den Elementen, zu den Kräften eines Ortes her. Das ist sowohl beim Abschied wie beim Ankommen wohltuend.
Auch das Salzen empfiehlt sich in einer neuen Wohnung. Wer weiß schon, welche Kämpfe hier ausgetragen wurden, wie viel Sehnsucht, Groll, Trauer, Rachsucht, Wut noch in der Luft liegen. Das Ritual des Salzens zieht diese Energien aus den Räumen und ermöglicht ein respektvolles Lösen dieser Kräfte, wenn das Salz wieder aufgefegt und – am besten in der Toilette – entsorgt wird. In manchen Wohnungen/Häusern haben sich Menschen umgebracht, wurden Gewalttaten begangen, wurde gestritten, gekämpft. Das Räuchern, Salzen und Lüften hilft, diese Energien sanft aus dem Wohnort zu entlassen.
Nach dem Einzug ist es schön, Menschen einzuladen, deren Energie eine Bereicherung ist. Eingeladene Gäste können in einem kleinen Wunschritual gute Wünsche für die BewohnerInnen aussprechen. Besiegelt wird das idealerweise mit Hollerwasser (Holundersirup mit Quellwasser), denn Holla, die Göttin des Holunders, die uralte Göttin unseres Kulturkreises, ist eine angenehme Beschützerin von Lebensräumen.
Eine Arbeit finden und beginnen
Zuerst wird die Arbeit gerufen, die man sich wünscht. Das kann aufgeschrieben werden, gesagt werden, gemalt, gesungen. Wichtig ist, dass mit den Eigenschaften dieser Arbeitsstelle/Beschäftigung auch das Gefühl benannt wird, das man haben will.
Es kann hilfreich sein, einen magischen Zettel zu schreiben/zeichnen, auf dem die wesentlichen Punkte beschrieben oder symbolisiert sind, z. B. »Halbtagsjob« mit Sonne und einem lachenden Gesicht, die Sonne symbolisiert die Wärme und Freundlichkeit, das lachende Gesicht die Freude, die bei der Arbeit entsteht.
Wenn die Arbeit gefunden ist, kann ein Ritual des fröhlichen Beginnens gut sein. Mit Ritualen am Arbeitsplatz ist es jedoch so eine Sache, deshalb sollte zunächst sensibel abgeklärt werden, wie die Stimmung am neuen Arbeitsplatz ist.
Ich habe einmal für die Einweihung eines neuen Hauses einer Volkshochschule ein Tarot-Ritual gemacht. Der Leiter der VHS hatte ein Problem mit der magischen Dimension des Kartenlegens, wollte aber unbedingt, dass ich dieses Ritual mache. Ich schlug also vor, es »volkskundliche Ermittlung der Atmosphäre« zu nennen. So ähnlich nannten wir das Ritual dann und es gab kein Problem mehr. Tatsächlich stimmte die Prognose auf verblüffende Weise. Manchmal muss man eben dem Kind einen anderen Namen geben, um die Reaktionen aufzufangen, die klischeehaft bei manchen Worten aufspringen.
So kann ein Ritual an einer neuen Arbeitsstelle auch ein »Umtrunk« sein. Im spirituellen Sinn empfehle ich, den Umtrunk mit nichtalkoholischen Getränken zu machen, schon weil man sicher sein kann, dass die eine oder andere Person ein Alkoholproblem hat.
In Ritualgruppen bilden wir einen Kreis, sagen unseren Namen und was wir von uns selbst preisgeben wollen. Ich finde das auch in anderen Zusammenhängen sinnvoll. Die Offenheit muss dabei ja nicht zu weit gehen.
Verbesserung des Arbeitsklimas
Die Arbeitsbedingungen könnten entscheidend verbessert werden, wenn es kurze, nicht berufsorientierte Zusammenkünfte der MitarbeiterInnen gäbe, bei denen – ohne zu werten – die Stimmung erkundet wird. Ein professionelles Pulsfühlen sozusagen. Ich würde nicht so weit gehen, das mit einer Mediatorin oder einer Supervision zu machen. Man könnte es auch mit Symbolen machen. Sagen wir, man einigt sich auf Symbole:
Sonne – für Wärme und Herzlichkeit
Blüte – für Kreativität und Wachstum
graue Wolke – für trübe Stimmung
Krokodilskopf mit Gebiss – für Konflikt
Maske – für Unoffenheit, Mobbing, Verschleierung
Bei der Zusammenkunft zeigt jede Person ein Symbol – je nach Stimmungslage.
Ich würde diese Symbole nicht mal diskutieren. Ein Ritual an einem Arbeitsplatz erfordert natürlich große Offenheit und Bewusstheit. Die miteinander arbeitenden Menschen müssen ein Interesse aneinander haben. Wenn das nicht so ist, würde ich so ein Ritual nicht machen.
Einen Wohnort aufgeben
Die Anhaftungskraft an eine Wohnung oder an ein Haus, an einen Wohnort, an dem man lange gelebt hat, wird oft unterschätzt. Im Stress des Ausziehens wird dann kein Wert darauf gelegt, dass die Bindungen gelöst und gut verabschiedet werden müssen. Löst man sich nicht bewusst und gut, bleibt man womöglich verbunden, sehnt sich, ist zornig, rechnet auf und ab. Sich gut von einem Wohnort lösen heißt auch, die eigenen Energien »aufzuräumen«, sonst müssen Nach-BewohnerInnen ständig mit dieser Energie umgehen.
Alle beteiligten Personen, die hier gewohnt haben – wenn das möglich ist – treffen sich in der leeren Wohnung. Andernfalls macht die Person, die den Wohnort auflöst, das Ritual allein. In alle Zimmerecken wird etwas Salz gestreut. Alle Zimmer werden mit Salbei oder Wacholder geräuchert.
Dann spricht man so viele schöne Ereignisse/Energien, die den Wohnort betreffen, wie auch unangenehme, Streit, Auseinandersetzungen und Belästigungen aus, wie aus der Erinnerung auftauchen. Das Salz, das sich symbolisch mit allen Energien aufgeladen hat, wird im Uhrzeigersinn wieder aufgekehrt und in der Toilette entsorgt. Ein Gang durch alle Wohnräume und, wenn vorhanden, auch Speicher, Keller, Garten schließt das Ritual ab, dabei kann man sprechen oder singen oder einfach nur denken:
Ich löse mich von diesem Ort.
Als ich aus meiner alten Wohnung ausziehen musste, die über dreißig Jahre lang mein Kraftfeld, mein magischer Raum, mein Schutzraum, mein Spielplatz gewesen war, wurde mir klar, dass mein Leben an einem neuen Ort vollkommen davon abhängt, wie ich mich von dieser Wohnung löse. Ich räumte sie aus, setzte mich in die leere Wohnung, fing an, über mein Leben darin nachzudenken, und begann mit dem Anfang. Jedes Ereignis, das mit der Wohnung verknüpft war, rief ich mir in Erinnerung. Ich saß zwei Tage da, machte nur Pausen für Essen und Trinken, Verdauen und Schlafen. Ich lachte und weinte. Zum Schluss räucherte ich die ganze Wohnung. Als ich ging, waren die Räume leer und ich war frei. Danach gab es keine Sehnsucht, kein Bedauern.
Wer sich von einem Zustand, von einem Ort, von einer Arbeitsstelle oder einer Gemeinschaft lösen will, kann es ähnlich machen:
Noch einmal voll in diesen Zustand eintauchen, sich an dem alten Ort niederlassen, die Gemeinschaft noch einmal aufsuchen. Das Erlebte und Erfahrene wachrufen, miteinander darüber sprechen, ohne zu werten.
Das Lösen und Trennen aussprechen.
Räuchern oder im Fall einer Arbeitsstelle oder einer Gemeinschaft, die das vielleicht nicht so gern sieht, symbolisch kleine Spiralen in die Luft malen. Gehen, ohne sich umzusehen (das bedeutet nicht, dass man die Menschen oder die Orte nicht mehr sehen wird, es bedeutet einfach, dass die Bindung gelöst wird).
Sich von Etwas / Jemandem lösen
Einen Kreis ziehen, eine Kerze anzünden. Alles, was gebunden ist und gelöst werden soll, benennen, entweder aufschreiben, laut sagen, singen, oder im Geist Revue passieren lassen.
Zweimal in die Hände klatschen und rufen: »Gelöst, getrennt, befreit!«
(Natürlich muss man das nicht unbedingt laut rufen, ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass es gut ist, es laut zu rufen und zu hören.)
Auflösung einer Krisensituation
Die meisten spirituellen Traditionen raten Menschen in Krisen, zu meditieren, still zu werden, Vertrauen zu entwickeln usw. Das auffälligste Merkmal einer Krise ist jedoch gerade, dass wir in Aufruhr sind, dass wir nicht mehr klar denken können und uns extrem bedroht fühlen. Der Geist wandert ausgerechnet in all die Ecken des Unterbewussten, wo nicht bewältigte Demütigungen, schmerzende Erlebnisse, Erniedrigungen, Unsicherheiten, Minderwertigkeitsgefühle lauern. Einen Geist, der in Aufruhr ist, beruhigt man nicht einfach durch sitzen und sich zur Ruhe zwingen, jedenfalls ist das meine Erfahrung mit all den vielen Frauen, die mir von Krisen erzählten.
»Wie soll ich es schaffen, ruhig und überlegt zu handeln, wenn in meine Wohnung eingebrochen und mir alles gestohlen wurde?«, fragt eine. Wer bleibt bei Familientragödien, bei Unglücken, bei Katastrophen einfach ruhig und gelassen? Es kann heilsam sein, mit der Strömung zu gehen, anstatt sich gegen sie zu stellen: Wohin treibt dich dein Geist? Erst innerhalb dieser Strömung, die bewusst gemacht werden muss, kann die Richtung verändert werden. Das heißt, wenn ich nicht ruhig werden kann, treibe ich die Erregung körperlich an, ich boxe mit den Armen so lange nach vorn, dazu stampfe ich von einem Bein auf das andere und atme oder schreie (das Ganze am besten an einem schönen Ort im Freien). Das künstliche Herunterbremsen hat nur zur Folge, dass die Erregung tiefer abgespeichert wird und den Blutdruck erhöht. Es kann auch gut sein, alles aufzuschreiben, was mich beängstigt, beunruhigt, bewegt.
Nach dem Dampfablassen:
1. Analyse der Situation.
2. Aufschreiben, was verloren oder was nicht mehr zurückzunehmen/gutzumachen ist.
3. Die Optionen, die noch bleiben, notieren.
4. Kräfte/Helferwesen/FreundInnen aufschreiben, die bei dem entsprechenden Problem helfen können.
5. Die Mittel herausfinden, die hilfreich sind, und feststellen, wo sie zu bekommen sind.

Eine verknotete Situation lösen
Wer einen Knoten lösen will, zieht die Stränge nicht fester, sondern lockert sie. Wer sich also in einer Krisensituation dazu hinreißen lässt, zu drohen und Ultimaten zu stellen, darf sich nicht wundern, wenn sich der Faden noch schlimmer verheddert oder reißt. Den Knoten lockern heißt: die eigene Situation kritisch zu überdenken. Wie bin ich da hineingeraten, wie sind die Schritte, um wieder herauszukommen?
Das größte Hindernis ist Selbstmitleid: »Ich kann überhaupt nichts dafür, ich bin da völlig ahnungslos hineingeraten.« – »Ich wurde betrogen, alle haben sich gegen mich verschworen.« Wer viele Probleme hat, kann damit rechnen, dass es eine Art Eigenleistung dabei gibt. Schuldzuweisungen sind nicht hilfreich und geradezu schädlich, wenn’s um magische Handlungen geht.
Beispiel: Eine Person, die einmal sehr geliebt wurde, entpuppt sich als außerordentlich lästige, übergriffige, eifersüchtige Person. Drohen, Schreien, Fordern hilft nichts. Das treibt die andere Person nur noch tiefer ins Festkrallen.
Ein Löseritual
Die Person, die sich befreien will, nimmt eine Schnur und fängt an, Knoten hineinzuknüpfen. Während sie knüpft, spricht sie die schönen Momente, die Ereignisse aus, die sie an die andere Person gebunden hat. Wenn alles gesprochen und geknüpft ist, wird ein Knoten nach dem anderen sorgfältig gelöst und dazu wird z. B. gesprochen: »Ich löse mich in Respekt und Freundlichkeit von den schönen sexuellen Erlebnissen, die wir hatten.« – »Ich löse mich von der immer noch anhaltenden Sehnsucht nach der Liebe, die wir füreinander empfanden.« Usw. Wenn alle Knoten gelöst sind, wird die Schnur ins Wasser geworfen oder in der Erde vergraben. Die Elemente kümmern sich nachhaltig um die Lösung.
Wer sich lösen will, muss der Person, von der die Lösung gelingen soll, zur Verfügung stehen, um das Verfestigte aufzuweichen. Klammert die andere Person allerdings übermäßig, wird übergriffig, gewaltbereit, dann ist es Zeit für eine kompromisslose Trennung. Nach einer Trennung sollte die Person, von der man sich trennt, nicht allein aufgesucht werden. Situationen, in denen starke Emotionalität erzeugt wird, müssen unbedingt verhindert werden.
Räucherritual
In einer Zeit, in der Erkältungskrankheiten, Bedrohung, Verwirrung, Bedrängnis das Leben schwer machen, kann man sich zu einem gemeinsamen Räucherritual treffen. Am umweltschonendsten ist es, wenn ein trockener Zweig Rosmarin, Salbei oder Wacholder angezündet und dann zum Glimmen gebracht wird. Kräuter und Harze können auch direkt auf ein Stück Alufolie auf ein Teestövchen gelegt und das Teelicht darunter angezündet werden. Jede der anwesenden Personen lässt sich nun von dem Rauch umhüllen und reinigen. Dazu kann auch gesummt werden.
In erkältungsintensiven Zeiten empfiehlt es sich, die eigenen Räume zu räuchern. Der Rauch von den genannten Kräutern und von Harzen wie Benzoe oder Weihrauch wirkt keimabweisend und heilend.

Luisa Francia
machte Filme und schrieb Drehbücher, unter anderem mit Margarethe von Trotta und Herbert Achternbusch, schrieb Theaterstücke, inszenierte am Werkraum der Kammerspiele München und arbeitet als freiberufliche Journalistin für Zeitungen und Zeitschriften. Seit Anfang der Achtzigerjahre schreibt sie Bücher, hält Lesungen und Vorträge, die sich hauptsächlich mit Magie als Kommunikation, als Weg zum tieferen Verständnis spiritueller Energien beschäftigen. Reisen nach Westafrika, in die Sahara, nach Indien, Tibet und Nepal brachten ihr volkskundliche Heilweisen, Magie, schamanische Traditionen und magische Rituale nahe. Seit 1999 führt sie unter www.salamandra.de ein Internet-Tagebuch.
Alle Fotos: Luisa Francia
Buchtipp:

Luisa Francia: Der magische Alltag – Rituale und Zauberrezepte
144 Seiten, mit zahlr. Abb., € 19,95
ISBN: 978-3-485-01340-6, nymphenburger Verlag 2011
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