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Blutegel – Kleine Helfer mit Biss
Von Anke Bartels

Die meisten Menschen ekeln sich vor den Tierchen, doch ihr Biss kann Schmerzen lindern, Entzündungen heilen und sogar Herzinfarkte verhindern.
Der Erfolg dieser kleinen medizinischen Blutegel, die zu den Ringelwürmern zählen, beruht vor allem auf zwei Wirkmechanismen: ihrem Sekret, dass sie beim Saugen in die Bisswunde geben und der anschließenden Nachblutung.
Schon während sie sich mit ihren zirka 250 Kalkzähnchen, die auf drei Kiefer verteilt sind, sanft in die Haut säbeln, geben sie mit ihrem Speichel verschiedene Stoffe ins Blut des Patienten, von denen längst noch nicht alle erforscht sind. Es handelt sich zum Beispiel um schmerzlindernde Anteile, schließlich will der Egel nicht bemerkt werden, um seine Mahlzeit in Ruhe einnehmen zu können.
Hirudin, der bekannteste Teil des Sekretes, wirkt lokal gerinnungs- und entzündungshemmend. Der Egel würde sich sonst verschlucken, wenn das Blut gerinnen und sich somit Klumpen bilden würden. Es ist schon erstaunlich, dass diese kleinen Tierchen das gesaugte Blut in ihrem Speicher,- den sogenannten Blindsäckchen, gut flüssig halten, bis es aufgebraucht ist.
Um eine Belastung mit Erregern und Schadstoffen zu minimieren, hält der Egelspeichel noch weitere Stoffe bereit. Egline wirken entzündungshemmend, Bdeline enzymhemmend, Hyaluronidase erweitert die Gefäße des Patienten und Destabilase dient der Auflösung von Blutgerinnseln.
Blutegel sind sehr sensibel, mögen keinen Stress und sie sind sehr wählerisch. Starke Raucher mögen sie nicht, auch Reste von Duschgeels und Salben auf der Haut schmecken ihnen nicht. Bei vorangegangenen Spritzen, wie etwa Cortison im Kniegelenk, hungern sie lieber, als dass sie beißen. Es bedarf hier einiger Tricks des Therapeuten, sie doch noch zu motivieren. Am liebsten mögen sie es ganz natürlich.
Blutegel werden nur einmal benutzt, um Infektionen zu vermeiden. In der freien Natur können Egel bis zu 30 Jahre alt werden und würden sich im Idealfall mit einer Mahlzeit für sechs Monate begnügen. In schlechten Zeiten kommen sie sogar 24 Monate ohne Nahrung aus.
Viele Patienten, die sich ekeln, verlieren schnell die Angst und sind fasziniert von den eleganten Schwimmern, die ihr Leben dafür geben, um unsere Beschwerden zu lindern.
Einige sind auch sehr besorgt, dass ein Egel in die Ohren oder andere Körperöffnungen kriechen könnte. Keine Sorge, der Blutegel wird beim Ansetzen mit einem kleinen Gläschen fixiert oder auch bei Behandlungen am Kopf oder Fingern in einer abgeschnittenen Spritze angesetzt. So kann zum einen keiner entwischen und zum anderen hat man die Wirkung ganz gezielt am Ort der Beschwerden.
Die Therapie dauert zirka ein bis zwei Stunden. In Ausnahmen brauchen die Egel sogar bis zu 4 Stunden. Wenn die Tierchen eine ganz bequeme Position haben und zum Beispiel wie in einer Hängematte vom Hosenbund gehalten werden, schlafen sie mitunter auch ein. Dann werden sie ganz sanft geweckt, indem sie vorsichtig mit Wasser bestrichen werden.
Blutegel sind grundsätzlich für Erkrankungen geeignet, die mit Durchblutungsstörungen einhergehen oder dadurch entstanden sind. Bei Gefäßerkrankungen (z.B. Krampfadern, Thrombosen, Hämorrhoiden, Angina pectoris, Tinnitus), bei Schmerzen (z.B. Migräne, Menstruationsschmerzen, Rheuma, Verletzungen, Bandscheibenvorfällen, Tennisellenbogen, Sehnenscheidenentzündung) kommen Blutegel zum Einsatz. Auch bei Augenerkrankungen (z.B. Glaukom, chronischen Augenentzündungen) und bei Knoten (z.B. an der Schilddrüse), Furunkeln, Lipomen oder Narben können Blutegel gute Dienste leisten.
Oft ist zu beobachten, dass sich die Beschwerden erst nach zwei bis vier Wochen bessern, besonders bei chronischen Erkrankungen. Bei akuten Beschwerden, Stauungen oder Entzündungen können die Patienten häufig sehr schnell eine Entlastung haben.
Hier noch einige Fallbeispiele:
Frau, 62 Jahre: Seit einer operativen Entfernung einer Krampfader vor ca. einem Jahr hatte die Patientin ein etwa 8 cm großes sehr schmerzhaftes Hämatom an beiden Knöcheln, Laufen war nur schwer und mit Stock möglich.
Einmalige Behandlung mit 10 Blutegeln an beiden Knöcheln und am Schienbein. Am Tag nach der Behandlung war bereits Treppensteigen ohne Stock möglich.
Seitdem ist die Patientin schmerzfrei.

Junge Frau, 35 Jahre
Chronische Sinusitis, seit 7 Wochen Schwindel, Druck auf dem Kopf
Neben Ohrkerzenbehandlung, Akupunktur, Homöopathie, 2 Blutegel links u. 3 Blutegel rechts am Kopf vor u. hinter dem Ohrenansatz (im Abstand von 3 Tagen)
Der Schwindel wurde sehr schnell besser, die Sinusitis ist abgeheilt
Eine weitere Behandlung war nicht nötig
Junge Frau, 26 Jahre
seit dem 16. Lebensjahr Fisteln / Abzesse in Höhe des Kreuzbeins, schubweise sehr schmerzhaft entzündet und geschwollen, Sitzen nicht mehr möglich, seit 6 Monaten chronische Blasenentzündung, zum Zeitpunkt der Therapie war ein operativer Eingriff alle 6 bis 12 Wochen notwendig, um den Abzeß zu öffnen
Neben einer Sanum-Therapie wurden im Bereich das Kreuzbeins 2x im Abstand von 4 Wochen je 5 Blutegel angewandt. Die Patientin ist seitdem beschwerdefrei.
Fotos: Anke Bartels
Anke Bartels
Heilpraktikerin
Tel.: 040- 51316640
www.bartels-norderstedt.de
Ich bin sehr dankbar, dass es diese kleinen Tierchen gibt und Menschen wie Herrn Menzel von der Potsdamer Blutegelfarm (www.biorepro.de), die mit ihrer Aufbauarbeit einer human- pathogenen unbedenklichen Blutegelzucht in Zukunft Blutegeltherapie erhalten werden.
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